Ich tracke meine Tochter. Durch eine App auf dem Handy bin ich stets gut darüber informiert, wo Greta sich gerade befindet. Greta hat mir das Tracking selbst vorgeschlagen. "Das macht mir nichts aus, wenn du weißt, wo ich bin." Es beruhigt mich natürlich sehr, wenn ich in einer Großstadt nachts um zwei sehen kann, ob meine Tochter wie verabredet auf dem Heimweg ist – oder irgendwo anders.
Ich kann mir vorstellen, dass meine Eltern auch gern so eine Technologie gehabt hätten. Sie haben sich nämlich, als ich so alt wie Greta war, ziemlich oft gefragt, wo ich nachts eigentlich bin, und manchmal haben sie sich auch zu Recht Sorgen gemacht, weil ich in keinem sehr guten Zustand nach Hause kam. Ich weiß aber auch, dass ich als Jugendlicher wirklich alles dagegen getan hätte, dass meine Eltern wissen, wo ich mich genau aufhalte. Ich hätte das als schweren Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte betrachtet. Zwar hätte es bei mir nicht wirklich viel zu sehen gegeben. So viele verschiedene Freunde, bei denen ich hätte abhängen können, hatte ich nicht. Es gab ohnehin nur einen Club, vor dem man meist herumstand, um Bier zu trinken. Mein Bewegungsprofil wäre also ziemlich berechenbar gewesen. Aber schon die Vorstellung, meine Eltern hätten mich beobachten können, wäre mir unerträglich gewesen. Das wäre doch Überwachung gewesen!