Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?58976

Pride-Anschlag

"Morgenpost": Vater von CSD-Attentäter soll schwul sein

In Medienberichten und einer Sondersitzung des Innenausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses wurden mehr Details zum Leben des CSD-Attentäters bekannt.


Nach dem mutmaßlichen CSD-Attentäter war am Sonntag stundenlang gesucht und gefahndet worden (Bild: IMAGO / SOPA Images)

Der islamistische Attentäter Abdul Ballout, der am Samstag bei einem Anschlag auf den Berliner CSD eine Frau tötete und 31 weitere Menschen teils schwer verletzte, könnte neben einem salafistischen und queerfeindlichen Motiv auch einen persönlicheren Bezug haben. Das berichtet die "Berliner Morgenpost1".

Aus Sicherheitskreisen habe die Zeitung demnach erfahren, "dass Abduls Vater homosexuell sein soll und mutmaßlich in Berlin mit seinem Partner zusammenlebt". Die aus dem Libanon stammenden Eltern lebten getrennt. Der 21-Jährige, der einen Tag nach dem Anschlag bei einem Einsatz von der Polizei getötet wurde, sei mit seinen Schwestern bei der Mutter aufgewachsen, die alle streng gläubig seien.

Laut der Zeitung hätten Behörden Ballout schon früh im Blick gehabt, die Eltern hätten aber nicht kooperiert. Nach anfänglich guter Schulzeit habe er schlechte Noten und Fehlzeiten entwickelt und sei bereits als Grundschüler durch aggressives Verhalten, später Gewalt aufgefallen. Ballout hatte dem Bericht zufolge Schwierigkeiten auch im emotionalen und sozialen Bereich und Anspruch auf sonderpädagogische Förderung. Die Förderschule vor wenigen Jahren habe er schließlich ohne einen Abschluss und ohne Perspektive verlassen.

- Werbung -

Seit fünf Jahren im Visier des Verfassungsschutze

Seit 2021 sei bei Ballout ein zunehmender Prozess der Radikalisierung festzustellen gewesen, berichtete am Mittwoch auch die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Dem Berliner Verfassungsschutz war er demnach seit November 2021 bekannt. Seitdem habe er sich in der salafistischen Szene bewegt, sagte Spranger. Zeitweise gehörte er einer salafistischen Gruppe an, die missionierend unterwegs war, also weitere Anhänger anwarb. Bei der Polizei fiel er seit 2019 mit Delikten wie Körperverletzungen, Betrug, Raub und Beleidigungen auf.

Laut Berichten der letzten Tage unternahm er zwei Versuche, nach Syrien einzureisen, um sich der Terrorgruppe "Islamischer Staat" anzuschließen. Dabei wurde er im Libanon festgenommen und zu drei Monaten Haft wegen "Anstiftung zu religiösen und konfessionellen Konflikten" verurteilt. Nach der Haft wurde er bei der Rückkehr festgenommen und in Untersuchungshaft gesteckt. Dort blieb er, bis er am 12. Mai von einem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten zu 22 Monaten Jugendstrafe verurteilt wurde – unter anderem wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Das Gericht entschied aber auf eine Vorbewährung, es setzte eine sofortige Haft ebenso auS wie die Untersuchungshaft.

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel betonte bei der Sondersitzung des Innenausschusses, die Betroffenheit in der Polizei sei groß, dass der Terroranschlag nicht habe verhindert werden können. "Es ist uns nicht gelungen, das werden wir nicht beschönigen. Und das trifft mich und die Kollegen ins Mark." Meisel berichtete, die Polizei habe Ballout nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft als "Hochrisikofall" eingestuft. Dann sei er observiert und mit einer Kamera überwacht und sein Telefon abgehört worden. "Wir haben nichts, aber auch gar nichts gefunden, was uns zu einer Prognose gebracht hätte, die zu einer Fußfessel oder Präventivhaft geführt hätte. Das war für uns so nicht erkennbar."

Die Polizei hatte gar eine Hausdurchsuchung durchgeführt, nachdem Ballout mit einer vermeintlichen Waffe gesichtet wurde, die sich als Spielzeugpistole herausstelle. Eine durchgehende Observation rund um die Uhr mache das LKA kaum: "Das bindet ungefähr die Hälfte der Kapazitäten, die Berlin hat." Medien hatten berichtet, Ballout sei noch eine Stunde vor der Tat beim Verlassen des Hauses automatisch gefilmt worden.

Kritik der Grünen

Nach der Sitzung des Innenausschuss des Abgeordnetenhauses seien noch viele Fragen offen und vor allem eher durch Zeitungsberichte beantwortet worden, kritisierte danach der grüne Fraktionsvorsitzende Werner Graf. "Warum konnte dieser Anschlag nicht verhindert werden, obwohl der Täter als Gefährder bereits im Blick war? Warum wurden Maßnahmen zurückgefahren, bevor es zur Tat kam? Gab es Lücken im Sicherheitskonzept um den Tiergarten?"

Vieles habe der Senat nicht beantworten können. Es zeichne sich ab, "dass es auf Seiten der Sicherheitsbehörden im Vorfeld der Tat kein Erkenntnisdefizit gab", was "vorschnelle Schlüsse und plumpe Forderungen nach Gesetzesverschärfungen" verbiete. Dennoch brauche es eine lückenlose Aufklärung, notfalls einen Untersuchungsausschuss.

Spranger hatte in der Sitzung versprochen, der Anschlag werde aufgearbeitet, um eine vollständige Transparenz herzustellen. "Aber wir wissen alle, dass wir solche Ereignisse nicht mit absoluter Sicherheit verhindern können." Die Senatorin wies darauf hin, dass in Berlin 1.250 Menschen zur salafistischen Szene gehörten. Davon seien 350 gewaltorientiert. Insgesamt gebe es laut Verfassungsschutz 2.590 Islamisten in Berlin. Die Szene habe sich in den vergangenen Jahren ins Private und in das Internet zurückgezogen, sei aber zuletzt wieder deutlich sichtbarer geworden. Auch seien in den vergangenen zwei Jahren wieder mehr Ausreisen in Kampfgebiete des IS geplant oder dafür geworben worden. "Es gibt weiterhin eine hohe Gefährdungslage im Bereich des islamistischen Terrorismus", so Spranger. (cw/dpa)

-w-

-w-

-w-


Privacy settingsPrivacy settings