Einem Bericht des Senders TBS zufolge sei bei dem Einsturz eine „beträchtliche Zahl“ von Menschen ums Leben gekommen. Der Sender NHK berichtete, „zahlreiche“ Menschen seien nach dem Einsturz eines Stockwerks in dem Gebäudekomplex eingeschlossen. Wenig später hieß es, 20 bis 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Einkaufszentrums würden vermisst.
Der Polizei lagen nach eigenen Angaben Berichte über eine mutmaßliche Explosion in der Aeon Mall in der Präfektur Kumamoto vor. Es sei aber unklar, welche Schäden dadurch möglicherweise verursacht worden seien und ob jemand verletzt worden sei, sagte ein Polizeibeamter der Nachrichtenagentur AFP. Unzählige Rettungskräfte sind im Einsatz.
Ein Aeon-Sprecher sagte, Kundinnen und Kunden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien direkt nach dem Beben in Sicherheit gebracht worden. Die genaue Ursache der mutmaßlichen Explosion sei jedoch unklar. Ein Augenzeuge berichtete TBS von einer gewaltigen Druckwelle und einer großen Rauchwolke. „Es sah um uns herum aus, als würde Vulkanasche herabfallen“, sagte er. Die BBC verifizierte ein Video, auf dem nach dem Beben mehrere Personen beim Verlassen des Einkaufszentrums zu sehen sind.
Bericht über Toten nach Hauseinsturz
Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete am späten Dienstagabend (Ortszeit), dass eine Person beim Einsturz eines Hauses in der Präfektur Kumamoto ums Leben gekommen sei. Zudem berichtete die BBC unter Berufung auf den Sender NHK, dass mehrere Personen nach dem Einsturz eines Kamins einer Papierfabrik in der Stadt Yatsushiro vermisst würden.
„Als das Beben begann, waren die Erschütterungen so schwer, dass ich nicht aufrecht stehen konnte. Bitte seien Sie sich bewusst, dass es auch im Anschluss noch zu Erdstößen kommen kann“, sagte ein NHK-Reporter. Bilder des Senders zeigten zerstörte Brücken, ausgebrannte Gebäude und umgestürzte Fahrzeuge. NHK zufolge mussten mindestens 50 Menschen in Krankenhäuser gebracht werden. Außerdem seien zwölf Häuser eingestürzt und hätten teilweise Menschen unter sich begraben.
Tsunami-Warnung wieder aufgehoben
Das Beben ereignete sich laut der japanischen Behörde für Wetter-und Geowissenschaften um 16.27 Uhr (Ortszeit, 9.27 Uhr MESZ) in einer Tiefen von zehn Kilometern. Eine Tsunami-Warnung wurde ausgegeben, kurz darauf aber wieder aufgehoben. Laut japanischer Meteorologiebehörde JMA habe es mehr als 60 schwächere Nachbeben gegeben. Behörden warnten zudem vor einem zweiten, stärkeren Beben.
„Ich wurde darüber unterrichtet, dass es mehrere Verletzte gibt“, sagte die japanische Regierungschefin Sanae Takaichi. „In einigen Regionen kommt es zu Stromausfällen und Bränden; zudem wurden Straßen und Brücken beschädigt, und Gebäude sind eingestürzt“, sagte sie weiter.
Erdbeben der Stärke 7,1 im Südwesten Japans
Ein Erdbeben der Stärke 7,1 hat den Süden Japans erschüttert. Das Bebenzentrum lag in der Region Kumamoto auf der südwestlichen Hauptinsel Kyushu in einer Tiefe von zehn Kilometern. Ersten Berichten zufolge wurden mehrere Menschen verletzt, auch Tote soll es geben.
Zugsverkehr eingestellt
Takaichi erklärte zudem, ihre Regierung habe eine Taskforce eingerichtet, um Informationen zu sammeln, mögliche Schäden zu bewerten und gegebenenfalls Rettungsmaßnahmen vorzubereiten. Das Verteidigungsministerium teilte mit, es habe Flugzeuge in das Gebiet entsandt, um die Lage zu beurteilen. Auch 3.600 Soldaten sollen in die Region entsandt werden.
Das Beben ereignete sich zu einer Zeit extremer, schwüler Sommerhitze. Das Umweltministerium in Tokio rief dazu auf, bei Evakuierungen kühle Orte aufzusuchen, ausreichend Flüssigkeit und Salz zu sich zu nehmen und sich vor möglichem Hitzeschlag zu schützen. Takaichi wies ihre Ministerien an, sofort nötige Notfallmaßnahmen zu treffen. Die Behörden forderten rund 300.000 Menschen auf, Evakuierungszentren aufzusuchen.
Der Bahnbetreiber JR Kyushu stellte den gesamten Zugsverkehr ein, darunter auch die Hochgeschwindigkeitszüge. Auch im Flughafen von Kumamoto wurde der Betrieb eingestellt. Mehrere Autobahnabschnitte wurden gesperrt. Mehrere Konzerne evakuierten zudem ihre Fabriken in der Region. Dazu gehören der weltgrößte Chipauftragsfertiger TSMC sowie die Elektronikkonzerne Sony und Fujifilm. Die Telekommunikationsanbieter KDDI und Docomo meldeten Störungen in ihren Mobilfunknetzen.
Keine Auffälligkeiten bei AKWs
Bei den Atomkraftwerken wurden der Atomaufsichtsbehörde zufolge zunächst keine Auffälligkeiten festgestellt. Nach Angaben des Energieversorgers Kyushu Electric Power hatten rund 48.000 Haushalte und Einrichtungen in der Region Kumamoto keinen Strom. Drei zu dem Zeitpunkt in der Region in Betrieb befindliche Atomreaktoren setzten den Betrieb fort.
Japan liegt in einer der tektonisch aktivsten Regionen der Welt. Der Inselstaat mit 125 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern wird jedes Jahr von etwa 1.500 Erdbeben erschüttert. Die Präfektur Kumamoto war 2016 von zwei verheerenden Beben der Stärken 6,5 und 7,3 getroffen worden. Damals kamen 273 Menschen ums Leben, mehr als 2.800 weitere wurden verletzt.