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Ein zerstörtes weißes Fahrzeug steht im Bereich des Tiergartens, wo es einen Baum gerammt hatte. Polizisten untersuchen den Tatort. Am Rande des Christopher Street Day in Berlin war das Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren. Dabei wurde eine Frau getötet, 16 weitere Menschen verletzt.

© Funke Foto Services/Maurizio Gambarini

Update

Eine Tote und 21 Verletzte: Was wir zum Anschlag beim Berliner CSD wissen – und was nicht

Hunderttausende feierten am Samstag friedlich. Dann fährt ein Mann ein Fahrzeug in die Menschenmenge beim Christopher Street Day. Was bisher bekannt ist.

Stand:

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Der Christopher Street Day in Berlin ist am Samstagabend abgebrochen worden, nachdem ein Auto in eine Menschenmenge gefahren war. Es gibt eine Tote und nach offiziellen Angaben 21 Verletzte.

Die Sicherheitsbehörden haben bislang mindestens eine direkt an der Tat beteiligte Person identifiziert und das öffentlich gemacht. Der 21-jährige Abdul Ballout wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Der Mann wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet. In der Nacht soll zudem ein weiterer Mann festgenommen worden sein, der laut Polizei der mutmaßliche Beifahrer des Täters war.

„Alles deutet darauf hin, dass wir es mit einem islamistischen Terroranschlag zu tun haben“, sagte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Sonntag. Der Generalbundesanwalt soll die Ermittlungen übernehmen. Verfolgen Sie die Entwicklungen hier im Newsblog.

Was wir wissen: 

  • Gegen 22 Uhr wurde der CSD abgebrochen, weil ein weißer Kleinbus in Höhe der Lennéstraße in den Tiergarten gefahren war. Der Fahrer des Autos fuhr nach Angaben der Polizei mehrere Menschen an, möglicherweise auch um, bevor das Fahrzeug mit einem Baum kollidierte. Danach flüchteten der oder die Tatverdächtigen. Das Fahrzeug steht jetzt in der Nähe des Ahornsteigs. 
26.07.2026, Berlin: Ein zerstörtes weißes Fahrzeug steht im Bereich des Tiergartens, wo es einen Baum gerammt hatte. Am Rande des Christopher Street Day in Berlin war das Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren. Dabei wurde eine Frau getötet, 16 weitere Menschen verletzt, zum Teil schwer. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Das zerstörte Fahrzeug am Sonntagmorgen im Bereich des Tiergartens, wo der Fahrer nach der Fahrt einen Baum gerammt hatte.

© dpa/Sebastian Gollnow

  • Ein Mensch wurde getötet. Es handelt sich nach Angaben der Feuerwehr um eine Frau. 21 weitere Menschen wurden wegen ihrer Verletzungen behandelt. Nach Angaben der Feuerwehr wurden fünf Personen lebensgefährlich und fünf schwer verletzt. Inzwischen sind alle Verletzten außer Lebensgefahr, wie die Polizei am Sonntagnachmittag bekannt gab. 45 weitere Personen mussten laut Feuerwehr durch Kräfte der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) betreut werden.
  • Die Polizei identifizierte nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen Verdächtigen, den 21-jährigen Abdul Ballout. „Der Mann ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet“, sagte Nath. Er hat nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa Familie in Berlin und wurde erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen.
  • Zeugenangaben zufolge sollen Menschen auch durch Stiche verletzt worden sein. Nach ersten Erkenntnissen ging Ballout nach der Todesfahrt im Kleinbus mit einer Stichwaffe, mutmaßlich einer Machete, auf Passanten los.
  • Noch in der Nacht wurde nach Informationen des RBB ein weiterer möglicherweise an der Tat beteiligter Mann festgenommen, der laut Polizei ebenfalls im Fahrzeug saß. Dabei soll es sich nach Informationen des Senders um einen Mann mit iranischer Staatsbürgerschaft handeln. Nach Tagesspiegel-Informationen wurde er mit einer blutenden Kopfwunde im Umfeld des Tatorts gefasst. Ob er der Beifahrer war, muss nun ein DNA-Test zeigen.
  • Am Sonntagmorgen veröffentlichte die Polizei ein Foto des Tatverdächtigen Abdul Ballout Polizei und die Generalstaatsanwaltschaft Berlin bitten um Unterstützung bei der Suche nach dem Flüchtigen. Der Mann habe eine schlanke Statur, sei etwa 1,90 Meter groß und habe schwarze Haare, erklärte die Polizei. Er trage einen schwarzen Hoodie und eine weiße Hose. Sie veröffentlichte im Internet ein Foto des Verdächtigen. Er gilt als „möglicherweise bewaffnet und gefährlich“.
Abdul Ballout auf dem Bild, das die Polizei am Sonntag veröffentlichte.

© dpa/Polizei Berlin

  • Nach Informationen der „Bild“ aus Sicherheitskreisen ist Abdul Ballout deutscher Staatsbürger mit libanesischer Herkunft und wurde 2005 in Berlin geboren. Er sei „unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und räuberischer Erpressung polizeibekannt“ und soll Anhänger der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) sein.
  • Nach Informationen des „Spiegels“ soll Ballout im vergangenen Jahr versucht haben, sich der Terrormiliz IS anzuschließen â€“ offenbar blieb es aber bei dem Versuch: „Nach einer Rückkehr aus dem Libanon landete er in Deutschland in Untersuchungshaft.“
  • Die Berliner Ermittler warfen ihm damals laut „Spiegel“ nach Angaben aus Sicherheitskreisen die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Die Staatsanwaltschaft forderte demnach eine Freiheitsstrafe von knapp drei Jahren. Das Gericht habe es jedoch bei einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung belassen.
  • Ballout war den deutschen Sicherheitsbehörden nach Recherchen von „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR seit Jahren als islamistischer Gefährder bekannt. Er sei bereits als Jugendlicher in der islamistischen Szene Berlins aufgefallen und ab dem 16. Lebensjahr von Sicherheitsbehörden erfasst worden.
Innenminister Dobrindt am Sonntag bei einer Pressekonferenz in der Nähe des Tatorts.

© AFP/JOHN MACDOUGALL

  • Die Fahndung läuft. Noch in der Nacht durchsucht die Polizei eine Wohnung in der Straße Bissingzeile im Ortsteil Tiergarten, wo Abdul Ballout gelebt haben soll. Fast zehn Stunden werden dort „Maßnahmen“ durchgeführt. Ermittler in schusssicheren Westen durchsuchen die Räume. Was sie konfiszieren, ist nicht bekannt. Am Vormittag wird die Wohnung versiegelt. Auch im Tiergarten, am S-Bahnhof Anhalter Bahnhof und an anderen Orten suchte die Polizei am Sonntag weiter nach Spuren.
  • Nach dem Tatverdächtigen wird zudem bundesweit gefahndet. Innenminister Dobrindt zufolge seien Polizei und Bundespolizei aus dem Anlass an Bahnhöfen und Flughäfen in ganz Deutschland sowie an den Grenzen im Einsatz.
Sucheinheiten der Polizei durchkämmen am Sonntag systematisch die an den Tatort angrenzenden Bereiche des Tiergartens.

© IMAGO/Wolfgang Maria Weber/IMAGO/Wolfgang Maria Weber

  • Nach Informationen der „Welt“ hatte Abdul Ballout nach seiner Freilassung aus dem Jugendarrest die Auflage, 26 Gesprächstermine mit einer Beratungsstelle im Bereich Deradikalisierung und Extremismusprävention wahrzunehmen. Grund dafür sollen offenbar Social-Media-Posts gewesen sein, in denen er seine Unterstützung für eine terroristische Gruppe bekundet habe. Die ersten zwei Gesprächstermine im Juni und Juli habe er wahrgenommen, an diesem Montag sollte der dritte Termin stattfinden.
  • Die auf Extremismusprävention und Deradikalisierung spezialisierte Organisation „Violence Prevention Network“ bestätigte gegenüber der ARD, zwei Treffen mit B. abgehalten zu haben. Der Mann sei „nicht fassbar“ und „undurchschaubar“ gewesen, sagte Thomas Mücke, der Leiter der Organisation, dem ARD-Magazin „Report Mainz“.
  • Beim Tatfahrzeug handelt es sich laut Polizeisprecher Nath um ein Privatfahrzeug, nicht um einen Mietwagen. Das Gebiet rund um den Tatort wurde großräumig abgesperrt, der Tiergarten wurde in der Nacht mit Wärmebildkameras abgesucht.
Wie der Verdächtige trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen mit seinem Auto in den Tiergarten gelangen konnte, ist derzeit noch unklar.

© Fabian Sommer/dpa

Was wir nicht wissen: 

  • Es ist unklar, wo sich der Tatverdächtige aufhält. Nath erklärte, dass die Polizei ihn weiterhin in Berlin vermutet. Deshalb wurde die Präsenz in der Stadt, unter anderem an mehreren Bahnhöfen, verstärkt.
  • Unklar ist auch, wie der Tatverdächtige trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen mit dem Auto in den Tiergarten gelangen konnte und woher genau er fuhr.
  • Noch ist nach Behördenangaben unklar, ob der gesuchte Verdächtige tatsächlich das Fahrzeug gesteuert hat.
  • Ebenfalls offen ist, wem der weiße Van gehört. Die Polizei stellte lediglich klar, dass es sich um ein Privatfahrzeug und keinen Mietwagen handelt.
Am Sonntag legten Menschen vor dem Brandenburger Tor Blumensträuße nieder, um ihre Trauer und ihr Mitgefühl nach dem vermutlichen Anschlag auszudrücken.

© AFP/Ralf Hirschberger

  • Offen ist zudem, wie der Vorfall rechtlich und politisch endgültig eingeordnet wird â€“ etwa als Terroranschlag, Amoktat oder andere Form von Gewaltdelikt. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sagte, es sei zu früh, dies zu beurteilen.
  • Das konkrete Motiv des oder der Täter ist bislang nicht bekannt. Zwar wird der identifizierte Verdächtige der islamistischen Szene zugerechnet, doch der genaue Zusammenhang zwischen dieser Einstufung und der Tat ist nicht geklärt.
  • Zur Identität der getöteten Frau sowie der Verletzten liegen bislang keine weiteren gesicherten Informationen vor. (Tsp/dpa/AFP)

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