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Familienministerium kommt Forderung der AfD nach

Prien streicht Förderung für queeres Jugendnetzwerk Lambda

Das Jugendnetzwerk Lambda steht vor schwierigen Zeiten: Nach der Streichung der Förderung könnten queere Jugendliche in Krisen insbesondere auf dem Land alleine gelassen werden, so die Warnung.


Karin Prien will offenbar bei queeren Jugendlichen sparen (Bild: Deutscher Bundestag / Inga Haar)

Das queere Jugendnetzwerk Lambda2 schlägt nach der Streichung der Förderung durch das Bundesfamilienministerium Alarm: "Vor wenigen Tagen hat uns die Kündigung unserer Rahmenvereinbarung zum Jahresende erreicht", teilte der Lambda-Bundesvorstand mit. "Diese Nachricht kam für uns völlig überraschend, denn die Sachberichte der vergangenen Jahre wurden ohne Beanstandungen geprüft. Unsere Arbeit wurde immer wieder fachlich anerkannt und gelobt".

In einem Brief appelliert der Verband an Familienministerin Karin Prien (CDU), ihre Entscheidung zurückzunehmen. Denn die Streichung der Förderung, die jährlich im mittleren sechsstelligen Bereich liegt, könnte schlimme Folgen für die Jugendarbeit haben: "Wir werden gezwungen unsere Tür am Ende des Jahres zu schließen. Und damit genau die Jugendlichen alleine zu lassen, die besonders stark von Einsamkeit, psychischen Belastungen und Diskriminierung betroffen sind. Jugendliche, für die unsere Angebote überlebenswichtig sein können", so der Vorstand.

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"Immer öfter geht es um Themen wie Suizid, selbstverletzendes Verhalten oder Gewalt"

Zuletzt habe man mehr Beratungsanfragen von queeren Jugendlichen in akuten Krisen erhalten. "Immer öfter geht es dabei um Themen wie Suizid, selbstverletzendes Verhalten oder Gewalt in der Familie", erklärte der Vorstand weiter. Durch die Streichung der Fördergelder stünden genau diese Angebote vor dem Aus. Der Verband betont, dass durch diese Entscheidung des Bundesministeriums Einsamkeit unter jungen queeren Menschen weiter zunehmen werde. Besonders betroffen seien ländliche und strukturschwache Regionen, in denen es keine dauerhaften Angebote vor Ort gibt.

Das Jugendnetzwerk Lambda e.V. ist der einzige bundesweite, gemeinnützige Jugendverband in Deutschland, der sich speziell für queere Jugendliche und junge Erwachsene einsetzt. Es wurde 1990 im damaligen Ostberlin gegründet. Seit 2018 besteht für die Förderung eine Rahmenvereinbarung mit dem Familienministerium, die die finanzielle Grundlage der bundesweiten Jugendverbandsarbeit bildet.

AfD hatte Föderungsstopp gefordert

In den letzten Jahren hatte die AfD immer wieder die Streichung der Förderung vom Lambda gefordert. Die rechtsextreme Partei warf dem Verband unter anderem vor, Jugendliche mit Themen wie "Fetisch" zu konfrontieren.

Ministerin Prien hatte bereits im März angekündigt, das Programm "Demokratie leben!" neu aufzustellen und die bisher geförderten Projekte zum Jahresende auslaufen zu lassen. "Gesellschaftliche Vielfalt ist grundsätzlich positiv – aber als staatliches Förderziel sehe ich das nicht", sagte die Christdemokratin damals (queer.de berichtete3). Lambda wurde seit 1990 aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes gefördert.

Prien hat bereits mehrfach ihre Distanz zur queeren Community deutlich gemacht – etwa mit der Abwicklung des Aktionsplans Queer4, einem Genderverbot5 oder der Streichung des Begriffs "Queerpolitik" aus ihrem hauseigenen Queer-Referat6. Anfang des Jahres betonte sie bereits, dass Queerpolitik im Koalitionsvertrag von Union und SPD schlicht nicht vorkomme (queer.de berichtete7). (cw)

Update 21.30h: Kritik von SPDqueer und Linken

Der SPDqueer-Bundesvorstand hat Bundesfamilienministerin Karin Prien in einer Pressemitteilung8 aufgefordert, die Streichung der Förderung zurückzunehmen und für eine "verlässliche, langfristige Finanzierung der queeren Jugendarbeit" zu sorgen. "Gerade in einer Zeit, in der junge queere Menschen wieder verstärkt Hass, Ausgrenzung und Gewalt erleben, braucht es mehr Unterstützung – nicht weniger", so Co-Bundesvorsitzender Oliver Strotzer. Man erwarte von der SPD in der Bundesregierung, "sich innerhalb der laufenden Haushaltsberatungen für den Erhalt der Förderung von Lambda einzusetzen. Wer den Schutz queerer Jugendlicher zu Recht als sozialdemokratischen Auftrag versteht, muss diese Priorität auch im Bundeshaushalt sichtbar machen."

Die Linke im Bundestag forderte die Bundesregierung auf, die Kündigung der Rahmenvereinbarung mit Lambda rückgängig zu machen. "Die Politik streicht Räume und queere Jugendliche verlieren eine Welt", kritisierte der queerpolitische Sprecher Maik Brückner. "Queere Jugendprojekte stehen oft ganz oben auf der Streichliste, wenn mal wieder gekürzt werden soll – dabei werden damit allenfalls Kleinstbeträge eingespart, die im Haushalt kaum ins Gewicht fallen."

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