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Vier Stellen ab 2026 Brandenburg führt als letztes Bundesland Kinderschutzambulanzen ein
Symbolbild: Ein Arzt geht an einem Untersuchungsraum der Medizinischen Kinderschutzambulanz einer Klinik in Frankfurt am Main 2019. Bild: picture alliance/dpa | Arne Dedert
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6 Min
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 18.12.2025 | Andreas König
  • Land Brandenburg führt vier ambulante Kinderschutzstellen ein
  • Bei Verdacht von Missbrauch, Gewalt oder Vernachlässigung von Kindern soll Hilfe besser koordiniert werden
  • Brandenburg ist das letzte Bundesland ohne Kinderschutzambulanzen
  • Die Opposition kritisierte, dass erst jetzt Ambulanzen eingerichtet werden

Beatrix Schwarz führt in ein Untersuchungszimmer. An den Wänden hängen bunte Bilder, an der Decke ein Traumfänger aus kleinen Plüschtieren. Schwarz ist leitende Oberärztin am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Hier, in der Kindernotaufnahme, müssen bisher neben Notfällen wie Knochenbrüchen und Unfällen auch alle Verdachtsfälle auf Kindeswohlgefährdung behandelt werden. Hinter dem Begriff stehen Kinder und Jugendliche, die körperlich oder psychisch missbraucht, verletzt oder vernachlässigt wurden.

8.500 solcher Verdachtsfälle haben die Brandenburger Jugendämter 2024 untersucht, gut 900 mehr als im Vorjahr. Oft erweist sich der Verdacht nach einer Untersuchung als unbegründet, bei fast 2.200 Kindern aber hat er sich bestätigt.

Dafür sind unter anderem Beatrix Schwarz und ihre Kolleginnen und Kollegen zuständig, bisher aber neben dem normalen Alltag in der Notaufnahme. "Sozusagen zwischen Tür und Angel", sagt die Ärztin. Das sollte so nicht laufen.

Kinder sollen nicht herumgereicht werden

"Das Ziel ist, dass das Kind nicht rumgereicht wird, dass man einen guten Raum hat, wo man in Ruhe arbeiten kann, dass wir die Kinder strukturiert untersuchen und schauen, wer muss alles dazukommen", so Schwarz. Kinderschutzambulanzen sollen das in Zukunft leisten.

Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Koordinationsstelle, die dafür sorgt, dass ein möglicherweise von Missbrauch betroffenes Kind nicht von Arzt zu Arzt geschickt wird, sondern alle Untersuchungen in einem geschützten, ruhigen Raum stattfinden, ohne dass das Kind erneut traumatisiert wird. Die Untersuchungen müssen dabei so dokumentiert werden, dass sie später auch vor Gericht verwendbar sind. Die Kinderschutzambulanz ist zudem in Kontakt mit den Jugendämtern, der Polizei, den Schulen und Beratungsstellen. Alle Bundesländer verfügen bereits über solche Kinderschutzambulanzen – alle bis auf Brandenburg.

Am Donnerstag hat der Landtag in Potsdam in seltener Einigkeit einstimmig beschlossen, das zu ändern. 2026 sollen vier Kinderschutzambulanzen die Arbeit aufnehmen, neben Potsdam auch in Lachhammer, Neuruppin und Eberswalde.

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Wenn in der Kita Auffälligkeiten bemerkt werden, beginnt oft eine Kette der Unsicherheiten.

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Nadine Graßmel, SPD

AfD wirft Regierung zu spätes Handeln vor

"Wir haben in Brandenburg keine Problemkinder, sondern Kinder mit Problemen", erklärt die BSW-Abgeordnete Jenny Meyer dazu im Landtag. Bisher werde auch Fachpersonal in Kitas und Schulen oft alleingelassen. Es sei nicht klar, an wenn sich Lehrer und Erzieherinnen wenden sollen, wenn Ihnen Hinweise auf Missbrauch oder Gewalt auffallen.

Zwischen Gesundheitssystem und Jugendämtern, so Nadine Graßmel von der SPD, seien Zuständigkeiten nicht eindeutig geklärt: "Wenn in einer Kita Auffälligkeiten bemerkt werden, beginnt oft eine Kette der Unsicherheiten." SPD und BSW würden, so Graßmel, mit ihrem Antrag "die Grundlage für ein modernes, interdisziplinäres und familienorientiertes Kinderschutzsystem legen."

Kritik gab es aus der Opposition. Es sei unverständlich, dass die Kinderschutzambulanzen erst jetzt kämen, weil es bisher an Geld fehlte. "Kinderschutz darf doch keine Frage des Geldes sein", bemängelte Daniel Oeynhausen von der AfD. Die Landesregierung sei erst "auf diese frohe, überfällige Botschaft" aufgesprungen, als Ärztinnen und Ärzte selbst tätig geworden seien.

Brandenburg hofft bei Kinderschutzambulanzen auf Geld vom Bund

Tatsächlich musste auch Gesundheitsministerin Britta Müller einräumen, dass die Kinderschutzambulanzen spät kommen. Das liege einerseits daran, dass zwischen Medizin und Jugendschutz, also Gesundheits- und Bildungsministerium, die Verantwortung aufgeteilt sei. Beide Häuser würden aber eng zusammenarbeiten, betonte Müller.

Vor allem am Geld hat es bisher gemangelt. Andere Bundesländer wie Berlin würden die Ambulanzen aus dem Haushalt finanzieren. Mit der Krankenhausreform seien jetzt aber Gelder des Bundes in Aussicht. Übergangsweise wird das Land mit 170.000 Euro die vier Ambulanzen finanzieren. Müller forderte die Oppositionsparteien auf, den Weg freizumachen dafür, dass sie ab 2027 auch im Landeshaushalt fest eingeplant werden können.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 18.12.2025, 19:30 Uhr

Brandenburg Gesundheit

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1 Kommentar

  • Ist das so?

    Hier läuft ziemlich viel durcheinander: Die hier beschriebenen Aufgaben "Bei Verdacht von Missbrauch, Gewalt oder Vernachlässigung von Kindern soll Hilfe besser koordiniert werden" fallen in erster Linie unter den § 8a SGB VIII und die Jugendhilfe hat hier auch die Federführung. Die medizinische Abklärung wird selbstverständlich, da, wo es Sinn macht, auch hinzu gezogen, aber sie hat nicht die "Fallverantwortung", auch dem Gericht gegenüber nicht. Klar definierte Hilfeprozesse, auch mit der Einbindung externer Partner, existieren seit vielen Jahren und sind auch schon zig mal evaluiert worden. Und wenn das hier die Realität sein sollte "Es sei nicht klar, an wenn sich Lehrer und Erzieherinnen wenden sollen, wenn Ihnen Hinweise auf Missbrauch oder Gewalt auffallen." - dann haben Schulen, Jugendhilfe, Polizei, Gerichte und weitere Beteiligte seit Jahren gepennt - so etwas darf einfach nicht vorkommen - und ehrlich gesagt glaube ich es (zumindest bei der Jugendhilfe) auch nicht.

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