- Kai Wegner tritt nicht erneut als CDU-Spitzenkandidat an
- Will auch kein Senatoren-Amt nach der AGH-Wahl übernehmen
- Als Regierender Bürgermeister bleibt er aber bis zur Wahl im Amt
- Finanzsenator Stefan Evers als Spitzenkandidat im Gespräch
Der Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gibt nur zweieinhalb Monate vor der Abgeordnetenhaus-Wahl seine Spitzenkandidatur auf. Das teilte der 53-Jährige bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Freitagnachmittag mit.
Wegner sagte, er werde den CDU-Kreisvorsitzenden noch am Freitagabend mitteilen, dass er nicht mehr für die Kandidatur zur Verfügung stehe. Der Regierende Bürgermeister steht seit Monaten in der Kritik, Ausgangspunkt waren Ungereimtheiten über sein Krisenmanagement beim Stromausfall im Berliner Süden Anfang des Jahres.
Als Regierender Bürgermeister wolle er noch bis zur Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September im Amt bleiben, erklärte Wegner. Für die Zeit nach der Wahl schloss er aber ein Senatoren-Amt aus. Auch für den Landesvorsitz der Berliner CDU wolle er nicht erneut kandidieren. Er wolle im September wieder als Abgeordneter in das Landesparlament einziehen, so Wegner.
Zuletzt waren sogar in Wegners eigener Partei Rückzugsforderungen laut geworden. Hintergrund ist eine monatelange Debatte über falsche Angaben Wegners bezüglich seines Krisenmanagement nach einem großen Stromausfall in Berlin im Januar.
Wegner räumte ein, kommunikative Fehler rund um den Stromausfall gemacht zu haben. "Glauben Sie es mir, ich ärgere mich am meisten darüber", betonte Wegner am Freitag. "Und das war auch Mist."
Die Debatte über diese Fehler nehme seiner Ansicht nach aber überhand: "Wenn ich feststelle, dass ich mit den Themen, die entscheidend sind für die Menschen, nicht mehr durchdringe, muss es Konsequenzen haben", sagte Wegner. Die Stadt Berlin und seine Partei seien ihm wichtiger als seine Person, betonte er.
Finanzsenator Evers als Nachfolger im Gespräch
Die Entscheidung, wer nun die CDU-Spitzenkandidatur im Wahlkampf übernehme, müssten andere treffen, erklärte Wegner. Mit Finanzsenator Stefan Evers, der als eine der möglichen Lösungen für die Nachfolge als Spitzenkandidat gilt, arbeite er seit Jahren vertrauensvoll zusammen und er sei ein "sehr, sehr guter Finanzsenator", betonte Wegner. Die CDU habe aber "viele kluge Köpfe".
Evers, der nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur als Favorit der Kreisvorsitzenden gelten soll, ist langjährig etabliertes Mitglied der Berliner Landes-CDU. Schon seit 2011 sitzt er im Abgeordnetenhaus. Im aktuellen Senat hatte Evers als Finanzsenator und Bürgermeister des Landes ohnehin schon eine mächtige Rolle inne - Ende April übernahm der 46-Jährige zudem das Kulturressort, nach dem Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson in der Fördermittel-Affäre.
Zuvor war Evers bis 2018 bereits stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Berliner CDU, seit 2016 ist er Generalsekretär. Diese Rolle behielt er auch nach der Wahl von Kai Wegner zum Landesvorsitzenden. Er war als solcher auch für die CDU-Wahlkampagne bei der gewonnenen Wahl zum Abgeordnetenhaus 2023 mitverantwortlich.
"Tennis-Gate" und weitere Ungereimtheiten
Wegner ist seit April 2023 Regierender Bürgermeister in einer schwarz-roten Koalition. Schon kurz nach dem Brandanschlag auf die Stromversorgung am 3. Januar, in dessen Folge 100.000 Menschen im Südwesten Berlins teils tagelang keinen Strom mehr hatten, geriet er in die Kritik.
Wegner verschwieg zunächst, dass er am ersten Tag der Krise mittags eine Stunde Tennis spielte. Dies kam erst durch einen Bericht des rbb ans Licht. Er selbst hatte zuvor betont, er habe sich in seinem Büro zu Hause "eingeschlossen im wahrsten Sinne". Danach kamen immer wieder Ungereimtheiten zu seinem Tagesablauf am 3. Januar ans Licht.
Erst in dieser Woche war Wegner erneut unter Druck geraten und hatte eingeräumt, dass er am ersten Tag des Blackouts vormittags keine dienstlichen Telefonate geführt, sondern nur Textnachrichten versandt hatte.
Sendung: rbb Fernsehen, 10.07.2026, 15:20 Uhr
Video: rbb Fernsehen, 10.07.2026, Pressekonferenz des Regierenden Bürgermeisters
115 Kommentare
Nörgler an die macht, es ist doch völlig egal wer jetzt für die CDU Antritt, solange wie keiner von den Linken oder von den Grünen Antritt, wird weiter genörgelt! Eins ist 100% sicher, aus unserer Familie wird keiner die grün/Linken oder die AFD wählen!
Da die Wahlen bevorstehen, ist nachvollziehbar, dass Herr Wegner von seinem Amt als Bürgermeister nicht zurück trat. Damit kann ich als Nicht-CDU-Wähler gut leben. Der Einsatz eines Ersatz-Bürgermeisters würde sicherlich den Berliner Senat unnötig zu weiteren Ausgaben führen.
Na bitte! Geht doch! Lieber Kai Wegner, das ist doch eine gute Entscheidung. Jetzt können Sie nach Herzenslust Tennis spielen und müssen nicht rumlügen und sich dabei ertappen lassen, wieder rumlügen und wieder ertappen lassen. Das war doch für zuvörderst für Berlin, aber auch für die CDU und schließlich auch für Sie keine angenehme Situation. Gehen Sie nach Lust und Laune Tennis spielen und lassen Sie andere Leute die Arbeit machen, für die Sie keine Lust und keine Zeit hatten.