100 Jahre »Falken«
Im Juni 1904 wird im Berliner Grunewald Paul Nehring tot aufgefunden. Der Schlosserlehrling hat sich erhängt, sein Rücken ist mit blutigen Peitschenstriemen bedeckt. Unter Berliner Handwerkslehrlingen wächst die ohnehin bestehende Unruhe: Als billige Arbeitskräfte ausgebeutet sind die Berufseinsteiger dem Züchtigungsrecht der Meister ausgeliefert und ihre soziale Situation ist mehr als miserabel. Einige jugendliche Lehrlinge wollen sich mit der Situation nicht mehr abfinden. Am 10. Oktober wird in Berlin der Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins gegründet.
Der Verein, anfangs argwöhnisch von SPD-Spitzen und Gewerkschaften beäugt, bildet neben anderen organisatorischen Keimzellen den Humus des späteren Jugendverbandes SJD - Die Falken. Aus den Arbeiterjugendvereinen entstand 1922 die »Sozialistische Arbeiterjugend« (SAJ). Die Gründung der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde im Jahre 1923 gilt als offizieller Beginn der organisierten sozialistischen Kindergruppenarbeit. Heute setzt die Organisation mit dem roten Falken im blauen Kreis vor allem auf »Gruppenarbeit im Stadtteil, Zeltlager und Ferienfreizeiten, Jugendhäuser und Rockfeten, politische Seminare und Aktionen«.
Zum 100. Geburtstag treffen sich am Wochenende die »Falken« in Berlin zu einem Bundesausschuss. »Wir befürchten, dass die Armut von Kindern, deren Eltern erwerbslos sind, durch die Ablösung der Arbeitslosenhilfe auf Sozialhilfeniveau noch zunehmen wird«, so Veit Dieterich, Bundesvorsitzender der »Falken« z...
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