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Bahnstrecke Berlin-Hamburg Wittenberge ist wieder am Zug
Während der Generalsanierung wurde auch der Wittenberger Bahnhof modernisiert. (Quelle: rbb/Haase-Wendt)
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Während der Generalsanierung wurde auch der Wittenberger Bahnhof modernisiert. (Quelle: rbb/Haase-Wendt)

Noch wird rund um den Wittenberger Bahnhof gearbeitet: Wege werden gepflastert, Bahnsteige gereinigt und die neuen Informationssysteme für die Reisenden getestet. Doch der Start steht fest – ab Sonntag rollen zwischen Berlin und Hamburg wieder durchgehend Regional- und Fernzüge.

Für viele Pendler auch aus der Prignitz endet damit eine lange Phase voller Umwege und Ersatzverkehr. Zehn Monate lang war eine der wichtigsten Bahnstrecken Deutschlands gesperrt. Der Alltag war geprägt von längeren Fahrzeiten, teils verpassten Anschlüssen und viel verlorener Lebenszeit.

Drei Stunden statt anderthalb – Alltag im Ersatzverkehr

"Ich bin froh, dass der Spuk jetzt ein Ende hat", sagt Iris aus Bentwisch bei Wittenberge. Sie pendelt täglich nach Schwerin. Mit der Bahn hat sie sonst gut anderthalb Stunden pro Fahrt gebraucht, in den vergangenen Monaten in den markanten pinken Ersatzbussen mindestens doppelt so lang: "Jetzt drei Stunden hin und drei Stunden zurück. Man hat eigentlich gar nicht seine komplette Arbeitszeit geschafft", sagt die Bentwischerin.

Ähnlich sieht es Sabine aus Karstädt. "Es ist wichtig, dass die Züge wieder fahren, das war ja eine Katastrophe", sagt sie. Vor allem die Bedingungen im Schienenersatzverkehr haben sie geärgert – etwa fehlende Toiletten an den Umstiegspunkten oder fehlende Wetterschutzhäuser. "Wir haben hier bei Eis, Schnee und Regen gestanden, in Karstädt gab es gar kein Wartehaus."

Iris aus Bentwisch sieht trotz allem auch positive Aspekte. Der Ersatzverkehr sei im Vergleich zu früheren Situationen vergleichsweise gut organisiert gewesen. "Und da haben wir hier ja schon vieles durchgemacht."

Frost und Schnee bremsen den Zeitplan

Eigentlich sollte die Strecke zwischen Berlin, Wittenberge und Hamburg schon früher wieder frei sein. Doch ein strenger Winter mit Frost und Schnee hatte die Bauarbeiten verzögert. Die Bahn musste die ursprünglich geplante Inbetriebnahme zum 1. Mai verschieben und stellte später auf eine zweistufige Wiederaufnahme um.

Seit Mitte Mai fahren Züge bereits wieder im Norden zwischen Hamburg und Hagenow Land. Nun folgt der Abschnitt bis Berlin – am 14. Juni soll die Strecke wieder vollständig im Betrieb sein.

Großprojekt auf der Schiene

Die Generalsanierung der Strecke Berlin–Hamburg zählt zu den größten Bahnprojekten Deutschlands. Erneuert wurden nach Unternehmensangaben rund 165 Kilometer Gleise, fast 250 Weichen sowie hunderte Signale und Stellwerkstechnik.

Auch zahlreiche Bahnhöfe entlang der Strecke wurden modernisiert – darunter Wittenberge. Dort gibt es neue Aufzüge, digitale Informationssysteme und einen zusätzlichen Bahnsteig, damit künftig mehr Züge gleichzeitig in Wittenberge halten können – einem wichtigen Knoten im Nordwesten Brandenburgs.

Testlauf der neuen Informationssysteme für die Reisenden am Wittenberger Bahnhof. (Quelle: rbb/Haase-Wendt)
Testlauf der neuen Informationssysteme für die Reisenden am Wittenberger Bahnhof. (Quelle: rbb/Haase-Wendt)

"Ein bisschen das Gefühl gehabt, sehr weit weg zu sein"

Nicht nur viele Bahnreisende und Pendler freuen sich über die Wiederinbetriebnahme des Verkehrs auf der kompletten Strecke, sondern auch Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann (parteilos). Für ihn ist die Bahnanbindung seit Jahren ein wichtiger Standortfaktor – für Unternehmen ebenso wie für die Lebensqualität.

"Der Standort profitiert ja schon immer davon, dass er schön an der Natur an der Elbe liegt, aber durch die Bahn trotzdem gut an die Metropolen Berlin und Hamburg angebunden ist. Ein bisschen hat man das Gefühl gehabt, sehr weit weg zu sein", sagt Hermann. Auch die noch im Bau befindliche Autobahn 14 habe diese Situation verstärkt.

Nach über zehn Monaten Belastung verbindet er mit der Rückkehr des Bahnverkehrs klare Erwartungen an die Bahn – vor allem in Sachen Verlässlichkeit: "Es geht nicht um unrealistische Wünsche und es muss sich auch rechnen. Aber wir fordern nach den vielen Investitionen, dass es einen verlässlichen Takt gibt." Eine Anbindung per Fernverkehr an Berlin und Hamburg alle zwei Stunden müsse das Ziel sein, mit zusätzlichen Verdichtungen am Morgen und am Abend. Zudem müsse das Angebot dauerhaft bestehen bleiben und dürfe nicht jedes Jahr erneut zur Diskussion stehen.

Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann vor dem sanierten Bahnhofsgebäude, Foto: Antenne Brandenburg/Björn Haase-Wendt
Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann vor dem sanierten Bahnhofsgebäude

Bahnhof als Stadteingang – Millionenprojekt im historischen Bau

Nicht nur die Bahn hat investiert, sondern auch Wittenberge. Besonders sichtbar wird das am historischen Bahnhofsempfangsgebäude. Seit 2023 wurde es durch die städtische Wohnungsgesellschaft WGW umfassend saniert. Rund 25 Millionen Euro flossen in den rund 180 Jahre alten Bau, der nun in Creme- und Beigetönen sowie mit dem Schriftzug "Wittenberge" als Eingangstor zur Stadt und Region sichtbar ist.

Statt Leerstand und Zerfall gibt es dort heute einen neuen Nutzungsmix: Büros, Co-Working-Spaces, das Jobcenter, das Prignitzer Technologie- und Gewerbezentrum sowie weitere Einrichtungen sind eingezogen. "Ein bunter Mietermix, so dass allein durch die Menschen, die hier arbeiten, wieder Bewegung entsteht", sagt Bürgermeister Hermann.

So soll das Gebäude wieder stärker zum Ankunfts- und Aufenthaltsort für Reisende werden. Herzstück ist der ehemalige Mitropasaal mit seiner aufwendig restaurierten Stuckdecke. Dort gibt es einen Wartebereich mit Fahrkartenschalter, Toiletten und künftig auch ein gastronomisches Angebot – ein Betreiber wird noch gesucht.

Am Samstag (13.6.) feiert Wittenberge die offizielle Eröffnung des sanierten Bahnhofsempfangsgebäudes mit einem "Tag des offenen Bahnhofs".

10 bis 18 Uhr
Fast alle Bereiche des sanierten Bahnhofsempfangsgebäudes sind geöffnet. Besucherinnen und Besucher können das Ergebnis der rund dreijährigen Sanierungsarbeiten im und am Gebäude besichtigen.

Programm ab 11 Uhr:

  • Eröffnung mit Bürgermeister Oliver Hermann
  • Live-Musik der Band "Die Guten"
  • Walking Acts
  • Talkrunden auf der Bühne am Bahnhofsempfangsgebäude
  • Angebot an Essen und Getränken

Parallel dazu:

  • Historischer Lokschuppen öffnet mit "Sommerdampf"
  • Tag der offenen Tür in der OSG Augen-Tagesklinik

Bahnhofskiosk hofft auf mehr Betrieb

Ein paar Schritte weiter in Richtung Bahnhof werden jetzt auch die Regale wieder aufgefüllt – im Bahnhofskiosk. Betreiberin Ripsim Bachbadyan blickt mit gemischten Gefühlen auf die vergangenen Monate zurück. "Die letzten Monate liefen sehr schlecht. Wir haben uns über die Bauarbeiter gefreut, die hier mal etwas gekauft haben und uns so geholfen haben, aber sonst lief das Geschäft sehr schlecht", sagt sie.

Besonders die Verzögerungen bei der Wiederinbetriebnahme hätten die Situation verschärft, weil Mitarbeiter vertröstet wurden und nicht wie geplant zurückkehren konnten. "Jetzt freuen wir uns aber", sagt Bachbadyan.

Nach monatelanger Sperrung rollt ab Sonntag die Bahn wieder zwischen Berlin und Hamburg. Für Wittenberge beginnt damit ein neuer Alltag – mit großen Erwartungen an einen Verkehr, der jetzt vor allem eines zeigen muss: Verlässlichkeit.

Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 12.06.2026, 10:30 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg vom rbb, 12.06.2026, Christina Torge/Oliver Hermann

Brandenburg Bahn

15 Kommentare

  • Eingeborener

    @ Seit Jahrzehnten 07:37 Uhr „Zehn Monate... unser Bahnhof soll seit über zehn Jahren erneuert werden! Ist halt im Westen, hier darf man nur zahlen! „: Die Bahn hat nur die Bahnsteige neu gemacht und ihre technischen Anlagen. Wenn Ihre Kommune dort im Westen das Bahnhofsgebäude nicht kauft und selber aufmöbelt, wird das auch nix. Denn eben dieses hat Wittenberge getan, um dieses großen stattliche Bahnhofsgebäude nicht in der Hand der Deutschen Bahn vergammeln zu lassen. Den Bahnhof samt Umfeld hat die Stadt Wittenberge aus dem eigenen Stadthaushalt finanziert mit paar Fördermitteln von Land und EU. Wenn Sie neidisch sind dort, dann treten Sie ihren Kommunalführern mal auf die Füße, dass die sowas mit ihrem Bahnhof dort auch machen. Denn Fördermittel von der EU kann jede Kommune in Deutschland haben. Ihr Bundesland sicher auch noch Fördermittel für kommunale Infrastruktur. Sie müssen es nur machen! Von allein kommt nix. Oder sind Sie auf die Tatkraft der Stadt Wittenberge neidisch?

    0 Antworten
  • toberg

    Ehrlich: Die Stadt Wittenberge hat es auch verdient, wieder Anschluss zu haben. Diese Stadt hat schon ganz schön gelitten mit der Schließung aller großen wichtigen Arbeitgeber nach der Umstellung zur Marktwirtschaft. Selbst der letzte große Betrieb, das RAW, ist nur noch ein Schatten dessen, was es zu Reichsbahnzeiten mal war. Dass dort noch viele Menschen leben, ist auch den Pendelmöglichkeiten per Bahn zu verdanken. Die LAGA nächstes Jahr wird sicher auch noch einen Aufschwung Richtung mehr Lebenswert in Wittenberge bringen. Vorboten sind jetzt schon zu sehen mit der Umgestaltung des Bahnhofs und des gesamten Umfelds, die die Stadt günstigerweise während der Streckensperrung mit in Angriff genommen hat.

    • Eingeborener

      Nicht auszudenken, wenn diese Streckensperrung nächstes Jahr zur LAGA Wittenberge gewesen wäre!

  • Debbz

    Das schönste an Wittenberge? Das man sich ganz schnell entfernen kann! .. Aber Wittenberge wird doch weniger schön, sind doch neue Wohngebiete geplant, auch mehr Straßen.

    • Jörg Bauer

      Was ist das für eine Logik? Mehr Wohngebiete und Straßen. Gleich hässlich? Sie wissen wohl nicht welche tiefgreifenden Probleme diese Stadt in den letzten 37 Jahren zu bewältigen musste.

    • @ Jörg Bauer

      Was hatte Wittenberge denn für Probleme zu bewältigen? Die Bevölkerung ist doch bis 2021 zurückgegangen, was doch keine Probleme verursacht sondern vermeidet. Und in der Tat wird die Stadt durch Wohnungs- und Straßen Bau nicht nur Probleme generieren, sondern auch hässlich werden.

    • Palek

      In Wittenberge hab ich meine Kindheit verbracht, die jedenfalls war nicht schön, jedoch kann die Stadt nichts dafür und eine Stadt muss ja nicht schön sein, sondern interessant und das ist sie tatsächlich, man muss nur in sie hineinhören, sie hat so viel zu erzählen. Lesen Sie mal was von Armin Feldmann, er war damals Lateinlehrer an der EOS.

    • Eingeborener

      @Palek 13:58 Uhr: Menschen, die ihre Stadt als Heimat sehen, erleben ihre Heimatstadt immer auch anders als Besucher. Ich als 1 Jahr Ausbildung zu DDR Zeiten dort habe Wittenberge nur als schmutzig graue stinkende Industriestadt erlebt. Nicht schön. ABER: Ich war in 2020 dann wieder mal dort und war wirklich sehr positiv überrascht, wie sich auch das Gefühl in dieser Stadt verändert hat. Alles eigentlich ziemlich relaxt, toll herausgeputzt und aufgewertet die Innenstadt. Das Kulti als markantes Gebäude im Zentrum ist immer noch kultureller Mittelpunkt. Ich werde zur LAGA wiederkommen und die weiteren Veränderungen dann erleben.

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