Die im Mai von der Deutschen Bahn angekündigte mehrmonatige ununterbrochene Sperrung der Bahnstrecke Berlin - Frankfurt (Oder) im Jahr 2029 ist vom Tisch.
Im Infrastrukturausschuss des Landtags bestätigten am Donnerstag Vertreter des Bahnunternehmens, dass die Planungen überdacht werden. Danach werden die dringend erforderlichen Arbeiten in Abschnitte unterteilt, anstatt die ganze Strecke komplett zu sperren. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" [Bezahlinhalt] über die neuen Pläne berichtet.
Vollsperrung könnte auf mehrere Jahre verteilt werden
Die neun Monate Totalsperrung seien aber in Summe der Gesamtbaubedarf, der für 2029 und die Folgejahre gebraucht werde, sagte Silvio Künkel, Bauexperte der DB InfraGO für die Region Ost, im Ausschuss. Man sei mit den Bahnunternehmen und dem Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) über Alternativen auf der Fachebene in Gesprächen. "Es wird nicht ohne Vollsperrung gehen. Die Dauer der Vollsperrung, die Verteilung auf die Jahre und die entsprechenden Verkehrskonzepte sind in der Abstimmung", so Künkel.
Die Strecke sei nicht nur mit den Zügen der regionalen RE1-Linie, sondern auch durch Fern- und Güterverkehr stark belastet. Deshalb sei eine Sanierung der Strecke notwendig, sagte Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn. Es müssten nicht nur Gleise, Weichen und Stellwerke erneuert werden, die Strecke müsse auch mit einem komplett neuen europaweit einheitlichen Signalsystem ausgerüstet werden. Dazu sei man bis 2030 verpflichtet. Eingleisige Sperrungen seien bei solchen umfassenden Bauarbeiten schwierig.
Crumbach: "Gut, dass die Bahn umdenkt"
"Es ist gut, dass die Deutsche Bahn nun offensichtlich umdenkt", sagte Robert Crumbach (SPD), der Brandenburger Infrastrukturminister. Ziel der Arbeiten sei es, die Schieneninfrastruktur technisch zu modernisieren und die Betriebsqualität langfristig zu erhöhen. "Das ist wichtig - es ist jedoch ebenso wichtig, die Belastungen für die Bahnfahrenden so gering wie möglich zu halten", so Crumbach. Vollsperrungen auf so einer wichtigen Strecke wie der RE 1 könnten nur eine ultima ratio sein. "Wenn es irgend möglich ist, sollte auf sie verzichtet werden. Hier war sicherlich auch die öffentliche Debatte der letzten Wochen hilfreich", so Crumbach.
Thomas Schirmer, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn, begrüßte die Entscheidung. Jegliche Alternative zu einer Vollsperrung sei insbesondere für Pendlerinnen und Pendler eine gute Nachricht, sagte er dem rbb am Donnerstag.
"Es ist ein Armutszeugnis, dass erst massive Proteste aus Brandenburg nötig waren, damit eine neunmonatige Vollsperrung einer so zentralen Verkehrsachse als schlechte Idee erkannt wird", kritisierte Clemens Rostock, Landesvorsitzender der Brandenburger Grünen. "Gut, dass dieser Plan jetzt vom Tisch ist. Besser späte Einsicht als gar keine." Die monatelange Komplettsperrung wäre eine völlig unverhältnismäßige Belastung für die Region gewesen, so Rostock weiter.
Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 11.06.2026, 17 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg vom rbb, 11.06.2026, Thomas Bittner
32 Kommentare
Die Überdachung der Planungen muss europaweit ausgeschrieben werden, das wird dauern und kosten.
Kann man nicht alle Strecken viergleisig ausbauen, dann könnten zwei Gleise gesperrt werden und es rollt trotzdem.
Sie bauen wohl gerne an einer Modellbahn? Da geht das alles, weil Sie dann Herr über die Landschaft sind. Bei der richtigen großen Eisenbahn gehts nicht so einfach. Denn zusätzliche Gleise verbrauchen auch Land und Natur. Und das muss dann ordentlich mit Planfestellungsverfahren, Hunderten Gutachten, Einsprüchen der Bevölkerung usw. alles bearbeitet werden. Zudem reicht die Kapazität der allermeisten zweigleisigen Hauptbahnen eigentlich aus, mit technischer Optimierung passt sogar noch bissl mehr auf die Strecke. Und nur wegen alle Jubeljahr mal was bauen den ganzen Rums wie oben beschrieben fürs 3. oder 4. Streckengleis, der ja noch viel länger dauert als die eigentlichen Bauarbeiten auf der Strecke, lohnt dann auch wieder nicht.
Da ich oft in FF bin hoffe ich ,daß die Strecke zweigleisig ausgebaut wird in dieser Zeit. Denn eingleisig bedeutet oft warten bis die Strecke frei ist. Schön das nun noch Abschnitte der Strecke gesperrt werden.
Ähm... die Strecke Berlin-FFO ist zweigleisig. Die Bahnstrecke Eberswalde-FFO ist eingleisig. Aber um die geht es hier gar nicht.