65 von 67 Vergewaltigungen verjährt! Schwere sexualisierte Gewalt darf nicht nach 5 Jahren straffrei sein!
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Unterschriften auf
innn.it
Gestartet von:
Claudia Wuttke
Gerichtet an:
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD)
Mein Name ist Claudia Wuttke und meine Geschichte beginnt im Juni 2025. Ich erhielt einen Anruf der Kripo Lüneburg mit der Bitte, einmal zu ihnen zu kommen. Niemals hätte ich mir ausmalen können, was ich dort gezeigt bekam: Bilder, mehrere DIN-A4 Seiten mit Dutzenden Screenshots, kleine Fotos, auf denen eine Frau zu sehen war, die ganz offensichtlich benommen oder betäubt, teils tief schlafend und in jedem Falle wehrlos und willenlos vergewaltigt worden ist. Diese Frau bin ich – und bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich von nichts.
Über fünfzehn Jahre hinweg hat mein damaliger Partner in einem wehrlosen Zustand missbraucht und dabei gefilmt. Insgesamt 67 Taten sind dokumentiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelte in diesen 67 Fällen, die sich über die Jahre 2006 bis 2021 erstreckten.
Doch dann kam der zweite Schlag – diesmal vom Recht selbst. Am 19. November 2025 wurden 65 dieser 67 Verfahren wieder eingestellt.
Die Begründung der Oberstaatsanwaltschaft: „Schlafende oder aus anderen Gründen widerstandsunfähige Opfer erfüllen nach einhelliger Ansicht nicht den Qualifikationstatbestand.“ Eine „schutzlose Lage“ liege nicht vor.
Das ist doch absurd.
Und jetzt kommt’s: Die Vergewaltigungen sind deshalb bereits verjährt! Vergewaltigungen verjähren in Deutschland nämlich seit einer Änderung im Jahr 2016 bereits nach fünf Jahren, sofern keine besonderen Umstände vorliegen, die die Frist verlängern. Scheinbar ein Versehen vom Gesetzgeber, das mir und anderen Betroffenen nun zum Verhängnis wird.
Nur zwei (!) der 67 Taten konnte ich deshalb vor Gericht bringen. Eine davon liegt noch keine fünf Jahre zurück und ist deshalb nicht verjährt. Die andere gilt als Verbrechen mit Verjährungsfrist von 20 Jahren, weil dabei ein Baseballschläger verwendet wurde, der juristisch als „gefährliches Werkzeug“ eingestuft wird.
Ich war fassungslos, hilflos, fühlte mich verlassen und verraten von dem Rechtsstaat, von dem ich doch dachte, dass er mich schützen könne und solle.
Meine Anwältin Christina Clemm und ich legten Beschwerde ein. Die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg prüft derzeit erneut.
Es darf nicht sein, dass Menschen sexualisierte Gewalt erleiden müssen – und dann auch noch vom Rechtsstaat durch Gesetzeslücken im Stich gelassen werden.
Deshalb wende ich mich nun an Sie: Frau Bundesministerin Dr. Hubig,
schließen Sie die Schutzlücke, die seit einer Strafrechtsreform in 2016 dafür sorgt, dass sexuelle Übergriffe an schlafenden, bewusstlosen, ggf. betäubten oder anderweitig wehrlosen Menschen schon nach fünf Jahren verjähren können.
Konkret fordere ich:
- Vergewaltigungen sind strafrechtlich ein Verbrechen und dürfen nicht mehr so schnell verjähren wie ein sexueller Übergriff. Setzen Sie die Verjährungsfristen wieder auf 20, statt auf nur 5 Jahre!
- Einen eigenen, qualifizierten Straftatbestand in § 177 StGB für sexuelle Übergriffe an schlafenden, bewusstlosen oder wehrlosen Menschen.
Und dafür stehe ich ein, #ungebrochen, für die Veränderung des Strafgesetzbuch, für die Veränderung unseres Sexualstrafrechts. Ich erhebe meine Stimme, um einen gesellschaftlichen Wandel in einem Land einzuleiten, in dem es immer noch scheint, als dürfe man Menschen, insbesondere Frauen und Kindern, ungestraft sexualisierte Gewalt antun.
Viele Betroffene brauchen Jahre, bis sie das Erlebte überhaupt einordnen oder davon erfahren. Eine Vergewaltigung ist immer ein Verbrechen und darf nicht nach fünf Jahren verjähren. Deutschland hat sich mit der Istanbul-Konvention verpflichtet, nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen wirksam zu verfolgen und Betroffene zu schützen.
Bitte unterschreibe und teile diese Petition. Je mehr wir sind, desto schwerer sind diese Lücken zu ignorieren. Gerechtigkeit braucht Zeit. Betroffene brauchen Schutz. Das Gesetz muss beides berücksichtigen.
Wenn du selbst betroffen bist:
Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen" ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichbar unter 116 016.
Claudia Wuttke und Team #Ungebrochen