Eine internationale Organisation gegen Extremismus will das Areal am Bogensee in Wandlitz (Barnim) zu einem Zentrum gegen Antisemitismus und Hass entwickeln. Das teilte die Berliner Immobilienmanagement GmbH am Mittwoch mit.
Die gemeinnützige, transatlantische Organisation Counter Extremism Project (CEP) mit Hauptsitz in New York will sich dabei ausschließlich auf das ehemalige, denkmalgeschützte Landhaus von Joseph Goebbels konzentrieren. Der Landsitz wurde für den NS-Propagandaminister errichtet.
Das CEP hatte bereits die Villa des Lagerkommandanten Rudolf Höß in Auschwitz erworben und in ein Forschungszentrum gegen Antisemitismus und Extremismus umgewandelt.
Architekt Daniel Libeskind unterstützt die Idee
"Dieses Gebäude für genau das Gegenteil von allem zu nutzen, wofür sich Goebbels eingesetzt hat und wofür das Regime stand – das ist das Ziel, das wir erreichen wollen", sagte CEP-Geschäftsführer Hans-Jakob Schindler dem rbb. "Der Täter und sein Haus werden zu Symbol der Gegenbewegung." Das geplante Zentrum würde sich aktiv insbesondere gegen Online-Propaganda von Extremisten, Terroristen und Antisemiten wenden, so Schindler.
Unterstützt werde das Vorhaben vom Architekten Daniel Libeskind, der nach CEP-Angaben bereit sei, einen Umbau zu begleiten. Der US-Amerikaner entwarf das Gebäude des Jüdischen Museums Berlin.
Areal verfällt seit über 20 Jahren
Wie es mit dem historischen Areal insgesamt weitergeht, ist derzeit noch unklar. Eigentümer des Geländes, das seit 26 Jahren ungenutzt ist und verfällt, ist das Land Berlin. In der Villa mit einst 30 Zimmern und einem Kinosaal sollen nach den Plänen des CEP künftig Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden. Ein Nutzungskonzept habe das CEP Schindler zufolge bereits vor einem Jahr dem Land Berlin eingereicht.
Der Berliner Finanzsenator Stefan Evers (CDU) sieht darin einen interessanten Ansatz. "Für das Land Berlin steht im Vordergrund, dass eine künftige Nutzung sowohl dem historischen Ort gerecht wird als auch langfristig finanzierbar und nachhaltig betrieben werden kann", teilte Evers auf rbb-Anfrage mit.
Brandenburgs Antisemitismus-Beauftragter Andreas Büttner (parteilos) befürwortet das Projekt und glaubt nach eigenen Angaben, dass die Chancen gut sind. "Das Land Berlin muss natürlich handeln und sagen: Wir haben keine Lust mehr, jährlich 250.000 Euro Sanierungskosten für die Villa zu bezahlen. Wir finden das toll, wenn ein Projekt das übernimmt.' Das Land Brandenburg, hoffe ich, wird auch unterstützen - nicht finanziell, aber emotional. Und die Gemeinde Wandlitz muss zustimmen. Aber ich glaube, das kriegen wir hin."
Auch die Bundeswehr könnte sich auf dem Areal ansiedeln
Auch die Bundeswehr hatte im März Interesse an dem Areal am Bogensee gezeigt. Als Standort für die Bundeswehr könnten künftig mehrere Objekte auf dem Areal dienen. Eine Nutzung der Goebbels-Villa wurde jedoch ausgeschlossen, sagte Oliver Borchert, Bürgermeister von Wandlitz (Freie Bürgergemeinschaft Wandlitz) dem rbb im März.
Bei einem Brand auf dem Bogensee-Areal im Januar wurde das Hauptgebäude aus DDR-Zeiten schwer beschädigt, die Decke stürzte ein. Die Goebbels-Villa war vom Brand nicht betroffen.
Sendung: rbb|24, 11.06.2026, 11 Uhr
Audio: rbb|24, 11.06.2026, Felix Leitmeyer
1 Kommentar
Extremismus,Rechtsextre-mismus, Neonazis muss entgegen gewirkt werden,um der Menschen und um des Staates Willen.Die Internationale Organisation gegen Extremismus,sollte unterstützt werden,nicht nur moralisch,sondern auch finanziell,was den Ausbau der Goebbels Villa anbetrifft.