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Berlin

Bildungssenatorin will gegen schwules Cruising vorgehen

Berlins CDU-Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch wurde wegen Verharmlosung einer queerfeindlichen Mobbingattacke seit längerem kritisiert. Jetzt will sie aber an anderer Stelle durchgreifen – gegen schwule Männer, die Cruising-Bereiche besuchen.


Bei queerfeindlichem Mobbing tut sie wenig, aber wenn es um schwuler Cruiser geht, ist Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch plötzlich aufmerksam (Bild: SenBJF / Koroll)

Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) fordert ein striktes Durchgreifen von Ordnungsamt und Polizei gegen die schwule Cruising-Szene an den Kaulsdorfer Seen im äußersten Osten Berlins. Die Behörden sollen mit verschärften Kontrollen und einem neuen Parkmanagement gegen sexuelle Kontakte im öffentlichen Raum vorgehen. Das teilte die Politikerin, die den Bezirk Marzahn-Hellersdorf als direkt gewählte Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus vertritt, mit.

In einem 1gemeinsamen Juni-Newsletter mit dem früheren CDU-Bundestags­abgeordneten Mario Czaja erklärte Günther-Wünsch: "Die Atmosphäre an den Seen ist inzwischen so belastend, dass sich viele Menschen vor Ort nicht mehr wohlfühlen." Sie kritisierte, dass der See in "einschlägigen Foren" als Sex-Treffpunkt für Männer, die Sex mit Männern haben, beworben werde. Dabei wurde eine Seite2 verlinkt, die den Ort als "perfekte Gay Cruising Area" beschreibt, bei dem sich heterosexuelle Männer "außerhalb der Augen ihrer Frauen" vergnügen könnten.

Die Kaulsdorfer Seen, an der Grenze zwischen den Ortsteilen Kaulsdorf und Mahlsdorf gelegen, gelten seit Jahrzehnten als traditionelles FKK-Areal. Das Nacktbaden wird von den Behörden geduldet, obwohl das Baden eigentlich verboten ist – dagegen soll aber offenbar weiterhin nicht vorgegangen werden. Anlass für das politische Einschreiten gegen Cruiser seien wiederkehrende Beschwerden von Anwohner*­innen und Familien. Diese kritisierten, dass sexuelle Handlungen zunehmend ungeniert und in Bereichen stattfänden, die für Spaziergänger*­innen und Kinder einsehbar seien.

Queerbeauftragter: "Cruising gehört zur queeren Geschichte Berlins"

Kritik an Repressionen ausschließlich gegen schwule Cruiser übt der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano: "Cruising gehört zur queeren Geschichte Berlins – zumal an diesem See auch 'Paare' und Frauen Sex haben", erklärte der SPD-Politiker am Dienstag auf Instagram. "Die verantwortliche Antwort lautet deshalb nicht Skandalisierung, sondern kluges Konfliktmanagement: geschulte Parkläufer*innen, queere Streetwork, klare Regeln gegen sichtbare sexuelle Handlungen und Belästigung, ausreichend Toiletten und Abfallbehälter, gemeinschaftliche Aufräumaktionen sowie konsequenter Schutz vor queerfeindlicher Gewalt."

Pantisano verwies auch darauf, dass schwule Cruiser zuletzt vermehrt Opfer von Gewalt geworden seien. "In Berliner Cruising-Areas werden Männer, die Sex mit Männern haben, verfolgt, beraubt und zusammengeschlagen", so Pantisano. Zuletzt hatten 15 Männer im Volkspark Friedrichshain gezielt Jagd auf Schwule gemacht (queer.de berichtete3).

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Günther-Wünsch stand zuletzt in der Kritik, weil sie queerfeindliche Ausbrüche gegen einen Lehrer monatelang verharmlost hatte. Sie gab später zu, im Fall Falschaussagen6 getätigt zu haben und entschuldigte sich schließlich anderthalb Jahre nach dem Vorfall bei dem gemobbten Pädagogen (queer.de berichtete7). (cw)

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