Meine furchtbare Erfahrung in einem linksalternativem Medienprojekt

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Vor kurzem habe ich alte E-Mails wiedergefunden, die ich kurz nach meinem Ausscheiden aus einem alternativen Medienprojekt geschrieben hatte. Das Erschreckende daran war nicht einmal ihr Inhalt, sondern die Erkenntnis, wie sehr sich meine eigene Wahrnehmung in den vergangenen Jahren verschoben hatte. Über lange Zeit hatte ich tatsächlich angefangen zu glauben, dass ich vielleicht derjenige gewesen sei, der Konflikte falsch eingeordnet, übertrieben oder sogar selbst verursacht hatte. Die E-Mails erzählen jedoch eine andere Geschichte.

 

Bereits Anfang 2024 habe ich schriftlich festgehalten, dass bestimmte Personen nach meiner Wahrnehmung Konflikte aktiv in den Sender getragen, Spannungen verschärft und mich gegenüber anderen als Problem dargestellt haben. Ich beschrieb damals, dass ständig Grenzen ausgetestet wurden und dass ich selbst eigentlich nur versucht hatte, wohlwollend zu handeln und meinen Beitrag zum Projekt zu leisten. Es war nicht die Sprache eines Menschen, der heimlich jemanden verfolgen oder belästigen wollte. Es war die Sprache eines Menschen, der verzweifelt versucht hat zu verstehen, warum ein jahrelang funktionierendes Miteinander plötzlich in Feindseligkeit umgeschlagen war.

 

Was mich heute besonders beschäftigt, ist die Art und Weise, wie über mich gesprochen wurde. Damals existierten in nahezu jeder Redaktion eigene private Chatgruppen. An den Arbeitsrechnern konnte man teilweise sehen, welche Gruppen geöffnet waren und welche Diskussionen geführt wurden. Mein Eindruck war, dass dort regelmäßig über mich gesprochen wurde, ohne dass mir dieselben Kritikpunkte jemals direkt ins Gesicht gesagt wurden. Statt offener Kommunikation entstand ein Klima aus Andeutungen, Gerüchten und Lagerbildung.

 

Im Laufe der Zeit kamen immer schwerere Vorwürfe hinzu. Anwaltliche Schreiben und Drohungen mit rechtlichen Schritten vermittelten mir den Eindruck, dass ich als Gefahr dargestellt werden sollte. Später erfuhr ich sogar, dass hinter den Kulissen offenbar von „Stalking“ die Rede gewesen sein soll. Bis heute fällt es mir schwer nachzuvollziehen, wie man zu einer solchen Darstellung gelangen konnte. Aus meiner Sicht stand nie die Frage im Raum, wie ein Konflikt gelöst werden könnte. Vielmehr entstand der Eindruck, dass jede neue Eskalationsstufe die vorherige noch übertreffen sollte.

 

Besonders befremdlich empfand ich Situationen, in denen Menschen aus diesem Umfeld versuchten, in meinen privaten Lebensbereich vorzudringen oder unangekündigt Kontakt aufzunehmen. Für mich überschreitet so etwas eine Grenze. Ich selbst wäre niemals auf die Idee gekommen, bei Beteiligten zu Hause aufzutauchen oder deren Privatleben auf diese Weise zu tangieren. Trotzdem wurde das eigene Verhalten offenbar nach anderen Maßstäben bewertet als meines.

 

Ein weiterer Punkt, der mich bis heute beschäftigt, betrifft einen Vorfall, bei dem ein psychiatrischer Notfalleinsatz ausgelöst wurde. Nach meiner Wahrnehmung wurden dabei Behauptungen über meinen Zustand aufgestellt, die nicht der Realität entsprachen. Währenddessen geschahen weitere Dinge, die auf mich wie gezielte Provokationen wirkten. Ich fand Hinweise darauf, dass ich bei verschiedenen Newslettern angemeldet wurde, dass Dritte auf mich aufmerksam gemacht wurden und dass Informationen über psychische Erkrankungen oder Hilfsangebote in einer Weise an mich herangetragen wurden, die sich nicht nach Unterstützung anfühlte, sondern nach Demütigung. Ob alle diese Vorgänge tatsächlich miteinander zusammenhingen, kann ich heute nicht mit Sicherheit sagen. Der Gesamteindruck war jedoch eindeutig: Es fühlte sich nicht wie Fürsorge an, sondern wie Machtausübung.

 

Wenn ich heute die alten E-Mails lese, sehe ich keinen Menschen, der andere verfolgt oder belästigt. Ich sehe jemanden, der versucht hat zu dokumentieren, was mit ihm geschieht, weil er zunehmend an seiner eigenen Wahrnehmung zweifelte. Genau das macht die Sache für mich so verstörend. Nicht die einzelnen Vorfälle für sich genommen, sondern die Tatsache, dass über Jahre hinweg ein Umfeld entstand, in dem ich irgendwann selbst begann zu glauben, vielleicht tatsächlich das Problem zu sein.

 

Natürlich war ich nicht fehlerfrei. Niemand ist das. Aber die Unterlagen erinnern mich daran, dass meine damaligen Wahrnehmungen nicht einfach aus dem Nichts kamen. Sie zeigen einen Konflikt, bei dem aus meiner Sicht nie ernsthaft versucht wurde, eine Lösung zu finden. Stattdessen schien es immer wieder darum zu gehen, Schuldige zu definieren, Fronten zu festigen und diejenigen loszuwerden, die nicht mehr in das gewünschte Bild passten.

 

Was mich rückblickend am meisten erschreckt, ist die Erkenntnis, wie zerstörerisch soziale Dynamiken werden können, wenn Gruppen beschließen, dass eine Person das Problem ist. Wer über die besseren Netzwerke, die größere Glaubwürdigkeit oder die stärkeren institutionellen Hebel verfügt, bestimmt oft auch die Geschichte, die am Ende erzählt wird. Und irgendwann beginnt selbst die betroffene Person, diese Geschichte zu glauben.

 

Die alten E-Mails haben mich daran erinnert, dass es manchmal wichtig ist, die eigenen Aufzeichnungen wieder hervorzuholen. Nicht um alte Konflikte neu zu entfachen, sondern um sich daran zu erinnern, was man damals tatsächlich erlebt, gedacht und gefühlt hat. Denn wenn man lange genug hört, dass man das Problem sei, besteht die Gefahr, dass man irgendwann vergisst, warum man sich überhaupt gewehrt hat.

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