Der erste Eindruck
Kaum jemand geht heute in ein Restaurant, ohne vorher die Bewertungen zu prüfen. Unter vier Sternen wird es kritisch. Für Anwältinnen und Anwälte gilt inzwischen Ähnliches: Wer nicht sichtbar ist oder schlecht bewertet wird, wird häufig gar nicht erst kontaktiert.
Gerade im Privatmandatsbereich sind Bewertungen die zentrale Orientierung in einem schwer überschaubaren Markt. Dieser Eindruck entsteht unabhängig davon, ob eine Kanzlei aktiv mitwirkt. Auch ohne gepflegtes Profil erscheint sie, möglicherweise auch mit dem, was andere über sie schreiben. Eine unangenehme Vorstellung.
Spezialisierte Plattformen funktionieren anders. Wer etwa auf anwalt.de ein Profil betreibt, entscheidet sich bewusst für Sichtbarkeit und für Bewertungen. Die Kosten liegen zwischen 69,90 Euro (Bronze) und 149,90 Euro (Gold) im Monat. Dennoch nutzen nach eigenen Angaben des Unternehmens nur rund 12.000 Anwältinnen und Anwälte in Deutschland die Plattform.
Google prägt die Wahrnehmung – spezialisierte Portale liefern Kontext
Die Unterschiede zwischen den Plattformen sind erheblich – bei Reichweite, Nutzung und Funktion. Google bestimmt die erste Wahrnehmung. Das Unternehmensprofil erscheint prominent in den Suchergebnissen und bei Google Maps. Bewertungen sind öffentlich sichtbar, die Hürde zur Abgabe ist niedrig. Das macht Google zur wichtigsten Plattform – und zugleich zur anfälligsten. Negative Bewertungen, auch von Nicht-Mandanten, kommen vor. Die Möglichkeiten zur Moderation sind begrenzt.
Spezialisierte Plattformen wie anwalt.de setzen auf ein anderes Modell. Sie bieten strukturierte Profile mit Tätigkeitsschwerpunkten, Fotos und eigener Bewertungsfunktion. Ratsuchende können gezielt nach Rechtsgebieten und Regionen filtern. anwalt24.de verfolgt ein ähnliches Konzept.
Bewertungen ersetzen keine persönliche Empfehlung. Sie entscheiden aber häufig darüber, ob es überhaupt zum ersten Kontakt kommt. Wer hier nicht überzeugt, wird oft gar nicht erst kontaktiert.
„Reputationsaufbau ist kein Selbstläufer“
„Bewertungsportale sind die digitale Fortsetzung der klassischen Mundpropaganda“, sagt Ilona Veth, Vorstand bei anwalt.de. Entscheidend sei der Umgang damit: „Reputationsaufbau ist kein Selbstläufer. Wer darauf wartet, dass Mandanten von allein bewerten, verschenkt Potenzial.“