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Gabriel Attal will Macron beerben
Bekommt Frankreich einen schwulen Präsidenten?
Gabriel Attal hat offiziell seine Kandidatur für das französische Präsidentschaftsamt angekündigt. Bei einem Sieg wäre er der erste offen schwule Staatschef Frankreichs.
Gabriel Attal kündigte seine Präsidentschaftskandidatur im südfranzösischen Mur-de-Barrez an (Bild: IMAGO / MAXPPP)
- Gestern, 14:57h 4 Min.
Der französische Ex-Premierminister Gabriel Attal will im April 2027 bei der Präsidentschaftswahl antreten. "Es ist mein Ziel, wieder an das Versprechen des Aufstiegs anzuknüpfen", sagte der offen schwule Politiker am Freitag im südfranzösischen 700-Seelen-Dorf Mur-de-Barrez. Es solle sich jeder in Frankreich sagen können, "dass seine Kinder und Enkelkinder ein besseres Leben haben werden". Aber er meine auch den kollektiven Aufstieg, "dass unser Land wieder die führende Macht Europas werden und die Welt inspirieren wird", sagte Attal.
"Ich habe mich daher entschieden, Kandidat für das Amt des Präsidenten zu sein", erklärte der 37-Jährige bei einem volksnahen Auftritt. Attal ist damit neben Ex-Premierminister Édouard Philippe der zweite Vertreter des liberal-konservativen Lagers, der sich um die Nachfolge von Amtsinhaber Emmanuel Macron bewirbt. Macron kann nach zwei Amtszeiten nicht direkt wieder antreten.
Seine Kandidatur kündigte Attal bewusst im Rahmen einer mehrtägigen Reise durch das ländlich geprägte Département Aveyron an. Er steht in der Kritik, ein typischer Hauptstadtpolitiker zu sein, der von einer Pariser Eliteschule kommt und sich nur wenig im Rest des Landes auskennt.
Sein erstes großes Wahlkampftreffen plant er am 30. Mai in Paris. Mehrere politische Schwergewichte seiner Partei, unter ihnen die Parlamentspräsidentin Yaël Braun-Pivet, haben bereits wissen lassen, dass sie nicht teilnehmen werden – ein Hinweis darauf, dass das Präsidentenlager noch weit von einem Konsenskandidaten entfernt ist.
Attal war im Januar 2024 mit 34 Jahren der jüngste Premierminister der Republik geworden und zudem der erste offen homosexuelle Politiker auf dem Posten (queer.de berichtete4). Er distanzierte sich von Macron, als dieser vorzeitig Neuwahlen ausrief und trat nach knapp acht Monaten im Amt zurück. Derzeit ist Attal Chef der von Macron gegründeten liberalen Partei Renaissance. Sein Programm ist noch nicht bekannt.
Attal hat ähnliche Positionen wie Macron
Politisch gilt Attal als liberal-zentristisch. Seine Positionen verbinden – ähnlich wie beim Macron – wirtschaftsliberale und proeuropäische Ansätze mit einer relativ harten Linie bei Themen wie Sicherheit, Laizismus und Migration. Zwar gilt Attal als überzeugter Unterstützer von LGBTI-Rechten, viele Aktivist*innen werfen ihm aber vor, politisch aber nicht besonders progressiv zu handeln. Kritisiert wurde etwa, dass in Regierungen unter Macron und Attal queerfeindliche Politiker*innen wichtige Posten bekamen.
Erst im April hatte Attal seine Memoiren veröffentlicht, in denen er auch persönliche Geschichten erzählte, etwa über sein Coming-out gegenüber seinem Vater (queer.de berichtete5). Außerdem spricht der 37-Jährige offen über seine Beziehung zu Stéphane Séjourné, dem heutigen EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen. Im Buch wird diese Beziehung als zentrale Liebesgeschichte dargestellt. Politikwissenschaftler*innen sahen die Veröffentlichung als Teil seiner anstehenden Präsidentschaftskampagne. Das Buch wird als Versuch interpretiert, die Kontrolle über seine eigene Lebensgeschichte zu behalten.
Rechtsextremist in Umfragen vorn
In Umfragen liegt derzeit der Rechtspopulist Jordan Bardella, Chef des rechtsextremen Rassemblement National (RN), in der ersten Runde mit etwa 34 Prozent vorn. Der 30 Jahre alte Politiker vertritt einen scharf ausländer- und europafeindlichen Kurs. Zuletzt umwarb er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und sprach öffentlich von "ideologischen Übereinstimmungen".
Noch ist allerdings offen, ob Bardella überhaupt antreten wird. Das hängt davon ab, ob ein Berufungsgericht die Fraktionschefin des RN, Marine Le Pen, im Juli wegen Veruntreuung von EU-Geldern erneut zum Entzug des passiven Wahlrechts verurteilt.
Attal liegt in Umfragen mit 13 bis 15 Prozent weit hinter Bardella und auch ein paar Prozentpunkte hinter Édouard Philippe. Er steht aber derzeit leicht vor dem wahrscheinlichen Kandidaten der sehr geschwächten französischen Linken, dem europafeindlichen Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon. Da Attal als guter Debattierer gilt, trauen ihm viele zu, das Ergebnis in den nächsten elf Monaten noch zu seinen Gunsten zu drehen. Attal könnte damit erneut Geschichte schreiben: Bereits jetzt gilt er als erster offen schwuler Premierminister der Republik, nun könnte er auch der erste offen schwule Präsident werden.
Umfragen zufolge ist Attal derzeit der einzige, der in der Stichwahl gegen Bardella gewinnen könnte. Der Aussagewert solcher Erhebungen ist jedoch gering, da die Kandidat*innen noch lange nicht feststehen.
Macrons Mandat endet am 14. Mai 2027. Der 48-Jährige hat es vermieden, einen Kronprinzen an seiner Seite zu fördern. Seine Pläne für die Zeit als Ex-Präsident sind offen. Die Daten für die Präsidentschaftswahl stehen noch nicht fest, möglich sind der 11. und 25. April oder der 18. April und der 2. Mai 2027. (dk/AFP)
Links
- https://t.co/OetViYpnoW
- https://twitter.com/GabrielAttal/status/2057784273864663155?ref_src=twsrc%5Etfw
- https://twitter.com/GabrielAttal/status/2057784273864663155
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=48088
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=57757













