Der Dachfonds hat ein Image-Problem. Schon seit Jahren steht er unter Druck: zu teuer, zu träge, zu wenig Mehrwert gegenüber einem simplen ETF-Portfolio. Die Dachfonds-Studie 2026 des Greiff Research Instituts in Zusammenarbeit mit Wellington Management hat das Segment jetzt ganz genau unter die Lupe genommen – und legt dabei einen strukturellen Widerspruch offen.
Die Studie analysiert 735 in Deutschland zugelassene Dachfonds auf Basis von Morningstar-Daten für den Zeitraum von 2000 bis 2025. Dabei zeigt sich: Statt Einzeltiteln und aktiv gemanagten Fonds stecken in vielen Dachfonds zu einem Großteil ETFs. In der Gebührenstruktur spiegelt sich dieser Umstand allerdings nicht wider.
Blackrock dominiert die Dachfonds-Portfolios
Blackrock und seine ETF-Marke iShares belegen nach Anzahl der Nennungen mit Abstand Platz eins im Ranking der meistgenutzten Zielfondsanbieter. Aus 16.488 analysierten Positionen aus den jeweiligen Top-30-Holdings der untersuchten Dachfonds taucht Blackrock/iShares insgesamt 1.583 Mal auf – 1.383 Positionen entfallen auf ETFs.
Dahinter folgt DWS mit seiner ETF-Marke Xtrackers: 1.074 Nennungen, davon 796 als ETF. Amundi kommt auf 673 Nennungen, 573 davon als börsengehandelte Indexfonds. Auch UBS, HSBC, Vanguard, Invesco und State Street sind in den Dachfonds-Portfolios fast ausschließlich als ETF-Anbieter präsent.
Auffällig ist zudem, dass unter den meistgenutzten ETF-Zielfonds aktive ETFs zunehmen. Auf Platz eins der häufigsten ETF-Positionen liegt der J.P. Morgan US Research Enhanced ETF (ISIN: IE00BF4G7076) – ein Produkt, das die ETF-Struktur mit aktivem Management kombiniert. Insgesamt stammen drei der zehn meistgenutzten ETFs aus der entsprechenden J.P. Morgan-Produktreihe. Innerhalb des als passiv geltenden ETF-Segments scheinen Dachfondsmanager damit nach Wegen zu suchen, einen aktiven Mehrwert zu erzielen.
Am Grundmuster ändert das jedoch nichts. Dachfonds werden in großem Umfang aus Bausteinen zusammengesetzt, die Anleger auch ohne die zusätzliche Dachfonds-Hülle kaufen könnten – oft zu einem Bruchteil der Gesamtkosten. Von den zehn meistgewählten Zielfonds sind beispielsweise neun ETFs. Von den Top 30 entfallen rund 25 auf die börsengehandelten Indexfonds. Die TER der 15 meistgewählten ETFs liegt dabei zwischen 0,07 und 0,35 Prozent.
Über 40 Prozent der Anteilsklassen kosten mehr als 1,5 Prozent pro Jahr
Die laufenden Kosten auf Dachfondsebene sind im Gegensatz dazu nach wie vor erheblich. Mehr als 42 Prozent aller untersuchten Anteilsklassen fallen in die Kostenkategorie oberhalb von 1,5 Prozent pro Jahr. Rund 13 Prozent übersteigen sogar die Marke von 2 Prozent.
Bei den flexiblen, global ausgerichteten Dachfonds – der größten Kategorie mit 113 analysierten Fonds – fallen knapp 45 Prozent der Anteilsklassen in den Bereich über 2 Prozent laufende Kosten. Dabei enthalten gerade diese Fonds oft einen erheblichen Anteil an günstigen ETFs als Zielfonds.
Ein Beispiel dafür ist der DB Growth SAA (ISIN: LU2258449417), der mit seiner institutionellen Anteilsklasse auf Platz neun der größten Dachfonds zu finden ist. In den Top-10-Positionen des Fonds finden sich ausschließlich ETFs, die bereits 87 Prozent der Gewichtung ausmachen. Für Retailinvestoren liegen die laufenden Kosten bei rund 1,62 Prozent. Für institutionelle Investoren ist der Fonds mit 0,70 Prozent TER günstiger – aber dennoch teurer als die meisten ETFs.
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| Name | ISIN | Perf. 3J | Vola. 3J |
|---|---|---|---|
| DB Growth SAA (EUR) LC | LU2258449417 | 32,55% | 8,52% |
| Vanguard LifeStrategy® 60% Equity UCITS ETF (EUR) Acc | IE00BMVB5P51 | 37,58% | 7,68% |
| FWW® Sektordurchschnitt Mischfonds dynamisch Welt | - | 35,35% | 8,95% |
Ein weiteres Beispiel ist der Deutsche Bank Best Allocation Balance (ISIN: LU0859635202) – mit einem Volumen von 3,76 Milliarden Euro ebenfalls einer der zehn größten Dachfonds am deutschen Markt. Sein Management ist laut Satzung verpflichtet, mindestens 51 Prozent seines Vermögens in ETFs und ETCs zu investieren. Die laufenden Kosten des Fonds liegen trotzdem bei 1,84 Prozent pro Jahr. Das ist mehr als das Zehnfache der Kosten eines typischen Basis-ETFs – für ein Produkt, das strukturell mehrheitlich aus eben solchen Produkten besteht.
Zu den laufenden Kosten kommen bei vielen Dachfonds darüber hinaus noch Performance-Fees und Rücknahmegebühren – ebenfalls Posten, die bei ETFs in der Regel nicht anfallen. Der Vanguard Life Strategy 60% Equity ETF (ISIN: IE00BMVB5P51) liegt als ETF-Dachfonds beispielsweise bei einer Gesamtkostenquote von 0,3 Prozent pro Jahr.
Die Beispiele aus der Dachfonds-Studie zeigen: Die Kostenvorteile passiver Indexfonds, die auf der Zielfondsebene entstehen müssten, kommen bei den Anlegern in vielen Fällen nicht an. Wer in einen Dachfonds investiert, der intern zu einem großen Teil auf ETFs mit Gesamtkostenquoten von 0,1 bis 0,3 Prozent setzt, zahlt am Ende dennoch oftmals mehr als 1,5 oder 2 Prozent pro Jahr. Die Differenz finanziert die Managementgebühr des Dachfonds – für eine Leistung, die zunehmend in der Auswahl und dem Rebalancing von Indexprodukten besteht.
Die USA-Wette: Dachfonds und ETFs im Gleichschritt
Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch. Eines der häufigsten Argumente aktiver Fondsmanager gegen ETF-Investments lautet seit Jahren: Viele globale Indexfonds seien de facto eine USA-Wette. Der MSCI World etwa gewichtet US-amerikanische Aktien mit rund 70 Prozent – eine Konzentration, die viele aktive Manager als Klumpenrisiko bezeichnen und als Argument für ihr eigenes, angeblich breiter diversifiziertes Vorgehen ins Feld führen.
Die Dachfonds-Studie 2026 stellt dieses Argument infrage. Denn auch Dachfonds, die sich als aktiv gesteuerte Multi-Asset-Lösungen verstehen, weisen eine ausgeprägte USA-Lastigkeit auf – in manchen Kategorien ist sie kaum geringer als im vielkritisierten MSCI World. Bei aktienorientierten Blend-Dachfonds, die nach eigenem Anspruch breit und stilneutral über verschiedene Märkte streuen, liegt die USA-Allokation im Schnitt so bei über 50 Prozent.
Schwellenländer machen dagegen in keiner der untersuchten Kategorien mehr als 8 Prozent der Gesamtallokation aus. Lateinamerika, Afrika und der Nahe Osten liegen durchgehend unter einem Prozent. Selbst Japan, immerhin die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt, erreicht in keiner Kategorie mehr als 4 Prozent. Zumindest in einigen Kategorien scheint die vielzitierte aktive Diversifikationsleistung vieler Dachfonds auf Länderebene damit geringer auszufallen, als es häufig verkündet wird.
Was die Zahlen für Anleger bedeuten
Die Dachfonds-Studie 2026 zeichnet das Bild einer Fondskategorie im Strukturwandel. Dachfonds setzen verstärkt auf passive Bausteine, um ihre Portfolios zu konstruieren. Das ist an sich nicht verwerflich – im Gegenteil, gut ausgewählte ETF-Kombinationen können ein sinnvolles Instrument sein. Die entscheidende Frage ist, ob die Gebühren, die auf der Dachfondsebene anfallen, durch den Mehrwert des Managements gerechtfertigt sind.
Wer als Anleger oder Berater Dachfonds evaluiert, sollte deshalb nicht nur auf die Wertentwicklung schauen, sondern auch auf das Innenleben: Wie hoch ist der ETF-Anteil im Portfolio? Wie hoch sind die laufenden Kosten auf Zielfondsebene im Vergleich zur Gesamtkostenquote des Dachfonds? Und wie viel aktive Steuerungsleistung rechtfertigt die Differenz? Die Studie gibt auf diese Fragen keine direkten Antworten – sie liefert aber die Daten, um sie zu stellen.
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