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Ilga-Europe
Rainbow Map: Malta vom Thron gestürzt – Deutschland verbessert sich weiter
Erstmals seit zehn Jahren ist Malta nicht das queerfreundlichste Land in der Rainbow Map. Deutschland kann sich weiter verbessern – und liegt auf Rang sieben. Ilga-Europe warnt jedoch, dass es mit der Bundesrepublik unter der neuen Regierung bald bergab gehen könnte.
So sieht Europa aus queerer Sicht aus (Bild: Ilga-Europe)
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Gestern, 11:45h 4 Min.
Große Veränderungen bei der Rainbow Map1: Nach zehn Jahren in der Pole Position muss Malta den ersten Platz in der Liste an Spanien abgeben. Deutschland hat sich unterdessen weiter verbessert – und springt im Vergleich zum Vorjahr2 um einen Rang auf den siebten Platz unter 49 europäischen Ländern. 2024 rangierte die Bundesrepublik noch auf dem 10. Platz3, ein Jahr zuvor sogar nur auf Rang 154.
Die queere Dachorganisation Ilga-Europe analysiert in seiner Rangliste seit nunmehr 16 Jahre die rechtliche Lage von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten in den europäischen Nationalstaaten. Alle 49 Länder erhalten dabei in verschiedenen Themenbereichen zwischen null Prozent (totale Ungleichbehandlung) und 100 Prozent (volle Gleichstellung). Deutschland kommt insgesamt auf einen Wert von 69,54 Prozent, knapp einen Punkt mehr als im vergangenen Jahr.
Spitzenreiter Spanien erreichte dagegen rund 89 Prozent. Malta, das die Liste zwischen 2016 und 2025 angeführt hatte, liegt mit fast 88 Prozent nur knapp dahinter. Danach folgen Island, Belgien, Dänemark und Finnland vor Deutschland auf Rang sieben. Die Top Ten komplettieren Norwegen, Schweden und Luxemburg. Österreich kam auf Rang 16, die Schweiz auf den 20. Platz.
Das Königreich Großbritannien, das 2015 die Liste noch mit 86 Prozent angeführt hatte5, rutscht dagegen weiter ab und liegt nun nur noch bei 44 Prozent – das reicht immerhin für Platz 22.
Russland ist Letzter
Unter den queerfeindlichsten Ländern gibt es kaum Verschiebungen: Den letzten Platz nimmt weiterhin Russland ein, das es auf ganze 2,0 Prozent bringt. Knapp davor liegen Aserbaidschan und die Türkei.
Den größten Sprung nach oben machte der Kleinstaat San Marino: Das 34.000 Einwohner*innen zählende Land verbesserte sich von Rang 42 auf Rang 34 – und konnte sich auf 29 Prozent mehr als verdoppeln. Hintergrund sind etwa Verbesserungen im Antidiskriminierungsschutz oder beim Schutz von trans Menschen. Das Land hatte bereits 2022 mit Paolo Rondelli den ersten offen schwulen Staatschef der Welt ernannt (queer.de berichtete6). In der Rainbow Map liegt San Marino damit erstmals vor dem Nachbarn Italien. Die Kleinstaaten in Europa tun sich jedoch insgesamt schwer, queere Rechte in ihren Verfassungen und Gesetzen zu etablieren.
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Auch Spanien konnte sich erheblich verbessern – um elf Prozentpunkte. Letztes Jahr lag das Land noch auf dem fünften Rang in der Rainbow Map. Ilga-Europe erklärt die rasante Entwicklung für das Königreich so: "Spaniens Aufstieg an die Spitze spiegelt eine Kombination von Errungenschaften wider, darunter eine vollständig umgesetzte Entpathologisierung von trans Identitäten im Gesundheitswesen, neue rechtliche Schutzmaßnahmen, neue nationale LGBTI- und Trans-Strategien, eine neue unabhängige Behörde für Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung sowie ein entschlossener Widerstand gegen rechtsextreme Versuche, nationale Schutzrechte für trans Personen abzubauen."
"Spaniens Spitzenplatz ist ein starkes Beispiel dafür, was möglich wird, wenn sich eine Regierung bewusst dafür entscheidet, Gleichstellung voranzubringen, anstatt sich von ihr zurückzuziehen", erklärte Ilga-Europe-Vizedirektorin Katrin Hugendubel. "Wir sehen denselben Geist bei Führungspersönlichkeiten wie Zohran Mamdani9 in New York, die sich weigern, dem autoritären Druck dieser Zeit nachzugeben, und sich stattdessen an die Seite ihrer Gemeinschaften stellen. Natürlich muss auch in Spanien noch mehr getan werden, aber dies ist eine Erinnerung daran, dass politischer Mut eine Entscheidung ist – und dass Regierungen, die diese treffen, wirksam gegensteuern können."
Deutschland droht Absturz mit Merz-Regierung
Allerdings gebe es laut der queeren Organisation dunkle Wolken am Horizont – auch in Deutschland, obwohl sich das Land im Vergleich zu den Vorjahren erheblich verbessert hat. Ilga-Europe verwies in seiner Pressemitteilung10 auf negative Entwicklungen in acht europäischen Ländern, darunter hieß es auch: "Deutschland erklärte seinen LGBT-Aktionsplan für abgeschlossen11 – trotz erheblicher Umsetzungslücken." Des weiteren nannte Ilga-Europe etwa ein Anti-LGBTI-Propagandagesetz in Belarus12, eine queerfeindliche Verfassungsänderung in der Slowakei13 oder eine "alarmierende Eskalation"14 in der Türkei.
"Die diesjährige Rainbow Map erzählt zwei Geschichten zugleich", so Hugendubel weiter. "Eine von echtem Mut – in Spanien, vor Gericht und bei Führungspersönlichkeiten, die sich an die Seite ihrer Gemeinschaften stellen, statt sie zum Sündenbock zu machen. Und eine von realer, wachsender Gefahr, die nicht unterschätzt werden darf. Die Frage, die sich jede Regierung in Europa jetzt stellen muss, ist, zu welcher dieser Geschichten sie gehören will." Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat zuletzt etwa mit Regenbogenfahnenverboten und "Zirkuszelt"-Beleidigungen eher dazu geneigt, die Uhren wieder zurückzudrehen (queer.de berichtete15).
1. (5.) Spanien (89 / +11)
2. (1.) Malta (88 / -1)
3. (3.) Island (86 / +2)
4. (2.) Belgien (85 / ±0)
5. (4.) Dänemark (85 / +5)
6. (6.) Finnland (70 / ±0)
7. (8.) Deutschland (70 / +1)
8. (9.) Norwegen (69 / ±0)
9. (12.) Schweden (68 / +2)
10. (10.) Luxemburg (68 / ±0)
11. (7.) Griechenland (68 / -1)
12. (11.) Portugal (67 / +1)
13. (13.) Niederlande (64 / ±0)
14. (14.) Irland (61 / -2)
15. (15.) Frankreich (60 / -1)
16. (16.) Österreich (55 / +1)
17. (17.) Slowenien (54 / +4)
18. (19.) Montenegro (53 / +4)
19. (20.) Kroatien (51 / +2)
20. (18.) Schweiz (50 / ±0)
21. (21.) Estland (46 / ±0)
22. (22.) Großbritannien (44 / -2)
23. (23.) Andorra (43 / ±0)
24. (26.) Albanien (41 / +6)
25. (25.) Moldau (38 / ±0)
26. (30.) Tschechien (37 / +4)
27. (24.) Bosnien-Herzegowina (37 / -3)
28. (28.) Kosovo (35 / ±0)
29. (27.) Serbien (34 / -1)
30. (29.) Zypern (34 / ±0)
31. (32.) Liechtenstein (31 / +2)
32. (34.) Lettland (30 / +4)
33. (31.) Nordmazedonien (29 / ±0)
34. (42.) San Marino (29 / +14)
35. (33.) Slowakei (25 / -2)
36. (35.) Italien (24 / ±0)
37. (36.) Litauen (24 / ±0)
38. (37.) Ungarn (23 / ±0)
39. (39.) Polen (22 / +1)
40. (38.) Bulgarien (20 / -1)
41. (40.) Ukraine (19 / ±0)
42. (41.) Rumänien (19 / ±0)
43. (43.) Monaco (14 / ±0)
44. (44.) Georgien (12 / ±0)
45. (46.) Armenien (7 / -2)
46. (45.) Belarus (7 / -3)
47. (47.) Türkei (5 / ±0)
48. (48.) Aserbaidschan (2 / ±0)
49. (49.) Russland (2 / ±0)
Links
- https://rainbowmap.ilga-europe.org/
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=53583
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=49531
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=45542
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=23742
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=41610
- https://www.instagram.com/p/DYOlKByjp1Q/?utm_source=ig_embed&utm_campaign=loading
- https://www.instagram.com/p/DYOlKByjp1Q/?img_index=1
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=55704
- https://www.ilga-europe.org/press-release/spain-breaks-maltas-decade-long-hold-on-europes-lgbti-rights-top-spot/
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=56684
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=57602
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=55193
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=57523
- https://www.queer.de/detail.php?article_id=57875











