Lock

Leo

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Der listige und clevere Leo

Leo ist ein fast siebzigjähriger Rentner, der nun in einem Zimmer in der geschlossenen Abteilung eines Seniorenheims wohnt. Er spricht im Stück nicht von seiner Familie. Man kann deshalb vermuten, dass er entweder Junggeselle oder Witwer ist und dass er keine Kinder oder Verwandte hat. In der ersten Regieanweisung wird geschildert, dass er sich leicht bewegen kann und ohne Probleme in dem Raum herumläuft, Boxschläge andeutet, und die ihm verordneten Tabletten aus dem Fenster wirft. Erst als er jemanden ins Zimmer kommen hört, setzt er sich in seinen Sessel und tut so, als würde er nicht sprechen können oder eine Behinderung haben. Das Publikum erfährt sofort, dass er etwas vorspielt, weiß aber nicht, warum. Es wird auch nicht erklärt, warum der aktive Rentner sich im Altersheim befindet. Vielleicht leidet er an Inkontinenz, da ein Pfleger sich über sein unfreiwilliges Urinieren lustig macht.

In der ersten Szene kommt der verurteilte, etwa sechzehnjährige Jojo in Leos Zimmer, um es zu streichen. Die ganze Zeit sitzt der Rentner lethargisch in seinem Sessel. Leo guckt entweder aus dem Fenster oder auf den jungen Jojo, der konstant spricht. Er hört still und schweigsam Jojos aggressiver, provozierender und herablassender Rede zu. Am Schluss der 1. Szene wehrt er sich jedoch, indem er Jojo Farbe über die Füße kippt (S. 7), spielt aber weiter den senilen Mann.

Erst in der zweiten Szene, in der Jojo am nächsten Tag davon berichtet, dass er den Diebstahl eines Mofas als Freundschaftsdienst auf sich genommen habe, damit der Chef seiner Clique nicht ins Gefängnis gehen müsse, beginnt Leo zu sprechen und macht Jojo ein kurzes großes Kompliment: „Du hast ja richtig Charakter“ (S. 9). Er steht auf, gibt dem überraschten Jojo ein Handtuch zum Abtrocknen und bietet ihm einen Tee mit Wodka an. 

Der listige Leo erzählt dann, dass er vor zwei Wochen einen Schlaganfall simuliert habe. Danach habe er so getan, als könne er nicht mehr sprechen und verstehen, was um ihn herum geschehe. Dass er nun sprechen kann, bezeichnet er ironisch als ein „Ein Wunder, mein Kind, Gott hat ein Wunder geschickt“ (S. 10, Sz. 2, Z. 11).

Leo hat umfangreiche Lebenserfahrung gesammelt und ist ein Menschenkenner. Er bleibt ruhig und reagiert nicht in der ersten Szene auf Jojos provokante Aussagen. Er erkennt schnell, dass Jojo kein Krimineller ist, und errät, dass er das Mofa nur deshalb gestohlen hat, um ein Mädchen zu beeindrucken, was sich als richtig erweist. Gegenüber J...

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