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Frankfurt (Oder)

Schwule zusammengeschlagen: Junge Täter bekommen Haft- und Bewährungsstrafen

Über eine Dating-App haben sie sich mit homosexuellen Männern verabredet und diese dann zusammengeschlagen. Nun hat das Gericht Haftstrafen gegen die jungen Täter ausgesprochen.


Zwei der Angeklagten erhalten Haftstrafen, die anderen drei einen Klaps auf die Finger (Bild: 1 wikipedia / Waugsberg2)

  • Heute, 11:37h 3 Min.

Vor dem Landgericht in Frankfurt (Oder) sind am Dienstagmorgen mehrere junge Männer und Jugendliche wegen schwerer Raubtaten gegen Schwule zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ein 19-Jähriger wurde vom Gericht zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt.

Er hatte mit den Taten gegen seine Bewährungsauflagen aus einer anderen Straftat verstoßen. Ein 20 Jahre alter Mittäter soll nun für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Zwei andere Täter erhielten Bewährungsstrafen, einer eine Verwarnung.

Homosexuelle Männer an entlegenen Orten erniedrigt

Die fünf Angeklagten sind zwischen 20 und 16 Jahre alt. Sie hatten bei Dating-Apps Profile eingerichtet und mit den Profilen gezielt schwule Männer angeschrieben, ihnen Interesse vorgetäuscht und sie dann an entlegene Orte gelockt. Dort haben sie in verschiedenen Besetzungen ihre Opfer homophob beleidigt, verprügelt, beraubt und erniedrigt. Sie haben ihre Taten dabei regelmäßig gefilmt. Vor Gericht räumten die Angeklagten ihre Taten ein.

In seiner Urteilsbegründung appellierte der Richter an die jungen Täter. Zu dem 16-Jährigen auf der Anklagebank, der bei den Taten erst 15 Jahre alt war, sagte er: "Hier muss jetzt Schluss sein. Wenn jetzt noch etwas dazu kommt, werden wir davon ausgehen, dass sie sich nicht bewährt haben."

Die Taten hätten teilweise ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Das Gesicht eines Opfers sei "zertrümmert worden", führte der Richter aus. "Der wird nicht wieder. Da ist alles kaputtgegangen, was kaputtgehen konnte." Selbst Freund*innen hätten den völlig entstellten Mann nach der Tat nicht mehr wiedererkannt.

Die Angeklagten hätten ihre Opfer verhöhnt, berichtete der Richter weiter. Einen Mann bezeichneten sie als "Schwuchtel" und zwangen ihn, vor ihnen zu tanzen. "Es wird nie in meinen Kopf gehen, warum man das auch aufnimmt", sagte der Richter.

Eindringliche Worte des Richters

An die bereits polizeibekannten Täter richtete der Richter eindringliche Worte. Es müsse nun bei ihnen ein Umdenken geben, sonst stünde ihnen eine klassische Kriminellenkarriere bevor. "Meine inständige Hoffnung ist, dass es kein drittes Mal geben wird", sagte er zu dem 19-Jährigen, den er bereits aus vorherigen Anklagen kannte.

Auch die Motivation hinter den Taten sei völlig fehlgeleitet, betonte der Richter. "Es gibt Menschen, die der Auffassung sind, dass man dem Staat auf die Sprünge helfen muss." Die Täter hätten gedacht, sie begingen mit den Taten "etwas Gutes" – letztlich seien es aber schwere Straftaten gewesen.

Familie feiert Freilassung von Tätern

Vor dem Gerichtssaal war von der Wirkung der Strafen und der direkten Worte des Richters kaum etwas zu spüren. Einige der jungen Täter zeigten sich dort äußerlich unbeeindruckt vom Urteil. Freund*innen und Familie begrüßten sie überschwänglich, nachdem einige der Heranwachsenden für mehrere Wochen in Untersuchungshaft gesessen hatten.

Das Gericht ging nicht von einem Netzwerk oder einem politischen Hintergrund aus. Wegen des jungen Alters der Angeklagten war die Öffentlichkeit vom Großteil des Prozesses ausgeschlossen. Nur die Eltern der Angeklagten durften die Verhandlung mitverfolgen. (dpa/cw)

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