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Russland

"Homo-Propaganda": Russland geht gegen größtes Verlagshaus vor

Russland verschärft sein Vorgehen gegen "nicht-traditionelle Werte" immer weiter. Nun gerät der größte Verlag des Landes ins Visier. Medien berichten von einer Razzia, Festnahmen und beschlagnahmten Büchern.


Ein Blick in den Eingangsbereich des Eksmo-Verlags in Moskau (Bild: IMAGO / ZUMA Press / Sergei Savostyanov)

  • Heute, 06:28h 3 Min.

Die russischen Behörden haben am Dienstag Medienberichten zufolge den landesweit größten Verlag Eksmo wegen des Verdachts der Verbreitung von "Homo-Propaganda" unter Jugendlichen durchsucht. Der Generaldirektor des Verlags Jewgeni Kapjew und weitere Manager seien festgenommen worden, berichtete der russische Fernsehsender Ren-TV. Zudem hätten Sicherheitsbeamt*­innen Tausende Bücher beschlagnahmt, die der Verlag inoffiziell vertrieben habe, heißt es weiter.

Bei den Büchern handelt es sich angeblich um Romane, die "Homo-Propaganda" betrieben, das heißt gleich­geschlechtliche Liebe selbstverständlich darstellten. Das ist in Russland seit einem vor mehr als zehn Jahren erlassenen Gesetz verboten.

Laut Eksmo gab es nur Vorladungen

Eksmo selbst dementierte eine Durchsuchung der Verlagsräume. Auch AFP-Reporter*innen sahen am Dienstag am Moskauer Unternehmenssitz keine Anzeichen für eine Razzia. Allerdings seien Eksmo-Generaldirektor Jewgeni Kapijew und weitere Beschäftigte wie etwa der Vertriebsleiter vom russischen Ermittlungskomitee vorgeladen worden, so eine Sprecherin des Verlags gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Das Ermittlungskomitee ist in Russland für die Verfolgung besonders schwerwiegender Straftaten zuständig.

Die Vernehmungen seien "im Rahmen eines Strafverfahrens wegen Extremismus im Zusammenhang mit der Verbreitung von Büchern des Verlags Popcorn" erfolgt, sagte die Eksmo-Sprecherin weiter. Popcorn ist eine Untermarke von Eksmo und hat in der Vergangenheit Bücher für junge Erwachsene zu den Themen Geschlechtsidentität, psychische Gesundheit und Rassismus veröffentlicht. Eksmo wurde 1991 gegründet und veröffentlicht verschiedenste Bücher für Erwachsene und Kinder.

Bereits im Mai vergangenen Jahres waren mehrere Verlagsbeschäftigte wegen des Vorwurfs der Verbreitung von "LGBT-Propaganda" festgenommen worden; laut Medienberichten handelte es sich um Beschäftigte von Popcorn (queer.de berichtete1).

Gleichgeschlechtliche Liebe in Medien verboten

Seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine hat Moskau seine queerfeindlichen Gesetze noch einmal verschärft. Das "Propaganda"-Gesetz, das Bußgelder vorsieht, wurde unter anderen auch auf "Vergehen" gegenüber Erwachsenen sowie um den Bereich geschlechtliche Identität erweitert. 2023 war das Oberste Gericht einer Verwaltungsklage des Innenministeriums gefolgt, "die internationale LGBT-Bewegung als extremistisch anzuerkennen und ihre Aktivitäten in Russland zu verbieten" (queer.de berichtete2). Das Organisieren von Aktivitäten einer als extremistisch eingestuften Vereinigung kann laut Artikel 282 des russischen Strafgesetzbuches mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden, die Beteiligung an solchen Aktivitäten mit bis zu sechs Jahren. Als Beteiligung können etwa Spenden oder die Herstellung oder Verbreitung "extremistischer Materialien" bewertet werden. In Folge kam es zu mehreren Razzien in queeren Einrichtungen sowie zum Verbot der Organisation "Coming out" (queer.de berichtete3).

Verlage mussten daher Titel aus dem Programm nehmen und ganze Auflagen einstampfen, wenn in den Handlungen auch gleichgeschlechtliche Liebe vorkommt. Aktivist*innen, die für die Rechte von Lesben und Schwulen eintreten, droht eine Verfolgung wegen "Extremismus" und damit im Ernstfall auch Straflager-Haft.

Auch in anderen Bereichen schreitet die Zensur weiter fort: So wurde jüngst bekannt, dass mehrere Biografien des bekannten russischen Schriftstellers Michail Bulgakow ("Meister und Margarita") oder des Poeten, Sängers und Schauspielers Wladimir Wyssozki markiert werden müssen, weil sie angeblich Werbung für den Drogenkonsum enthalten. (cw/AFP/dpa)

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