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Afrikanischer Verfolgerstaat

Senegal: Erste Gefängnisstrafe wegen Homosexualität nach Gesetzesverschärfung

Sechs Jahre muss ein Mann im Senegal ins Gefängnis, weil er "naturwidrige Handlungen" durchgeführt hatte.


Der Senegal hatte erst kürzlich seine Strafen für Homosexualität verschärft (Bild: victorrutka / unsplash1)

  • Heute, 14:56h 2 Min.

Ein Gericht im Senegal hat das wohl erste Urteil unter einem neuen Gesetz gegen Homosexualität gefällt. Ein 24-Jähriger wurde vergangene Woche laut Medienberichten in einem Vorort von Dakar zu sechs Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe in Höhe von zwei Millionen CFA-Franc (3.000 Euro) wegen "naturwidriger Handlungen und Erregung öffentlichen Ärgernisses" verurteilt. Der Mann war Anfang des Monats festgenommen worden.

Der Vorfall hatte sich am 2. April zugetragen. Der Mann soll demnach von einem Zeugen in einem Park mit hohem Gras beim Sex gesehen worden sein. Sein Sex-Partner konnte fliehen, er habe aber wegen einer heruntergezogenen Hose nicht wegrennen können. Der Arbeiter erklärte, der andere Mann habe ihm 2.000 Franc (3 Euro) für sexuelle Handlungen angeboten. Er habe nicht gewusst, dass es sich dabei um eine Straftat gehandelt habe. Zudem habe er das versprochene Geld vor seiner Festnahme nicht erhalten.

Das neue Gesetz hatte die Höchststrafe für homo­sexuelle Handlungen von fünf auf zehn Jahre verdoppelt und viele andere Straftatbestände eingeführt – etwa die "Förderung" von Homosexualität. Es war am 1. April in Kraft getreten (queer.de berichtete2). UN-Menschen­rechts­kommissar Volker Türk bezeichnete die verschärfte Gesetzeslage im Senegal als "zutiefst besorgniserregend". Larissa Kojoué, eine Wissenschaftlerin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, erklärte gegenüber der Associated Press am Montag, dass das Gesetz ein Klima "ständiger Angst" geschaffen habe.

Deutschland betrachtet Senegal weiter als sicher für alle Menschen

Deutschland sieht die neue Gesetzeslage dagegen locker: Trotz der langjährigen Verfolgung von Homosexuellen hatte die Bundesregierung bereits vor 30 Jahren dem Senegal das Prädikat "sicheres Herkunftsland" verliehen – und daran soll sich offenbar nichts ändern. Geflüchtete – auch Homosexuelle, denen Verfolgung droht – können also ohne große Prüfung in das afrikanische Land abgeschoben werden. In Frankreich wurde der Senegal hingegen von der Liste sicherer Herkunftsstaaten gestrichen, begründet wurde dies unter anderem mit der Verfolgung Homosexueller. Zudem überweist Deutschland jedes Jahr 150 bis 200 Millionen Euro Entwicklungshilfe an das queerfeindliche Regime.

Homo- und Bisexualität ist im überwiegend muslimischen Senegal stark tabuisiert. In Umfragen sprechen sich immer wieder mehr als 90 Prozent der Befragten gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen aus.

Weltweit kriminalisieren rund 65 Länder gleichgeschlechtliche Beziehungen, mehr als die Hälfte davon liegen in Afrika. In vielen afrikanischen Staaten wird die Anerkennung der Rechte queerer Menschen als schädlicher Import aus dem Westen dargestellt. Die entsprechenden Strafgesetze gehen jedoch häufig auf die Kolonialzeit zurück. (cw)

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